„Krieg ist Chaos“, sagte einst der Oberbefehlshaber der amerikanischen Armee Norman Schwarzkopf während des 2. Irakkriegs. Und genau in dieses Chaos gerieten am 2. April 2010 Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan. Der Tag ist im Nachhinein ein absoluter Wendepunkt der bundesdeutschen Armee. Zuvor nur in dauernder Vorbereitung einer möglichen Landesverteidigung, war man nun inmitten eines Krieges angekommen. Alles was man über Jahrzehnte durchdacht, geplant, überlegt und geübt hatte, wurde nun mit einem Schlag Wirklichkeit – keine Zeit mehr Dinge zu durchdenken. Zwei Tage später brachte es der damalige Verteidigungsminister von Guttenberg endlich auf den Punkt, was eigentlich schon längst hätte deutlich – für die Truppe und die Öffentlichkeit – artikuliert werden müssen: Die Bundeswehr war im Krieg. Eine Realität, die bis heute von vielen Teilen der Bevölkerung nicht eingestanden wird, da man sich doch als demokratisches Deutschland lange darin sonnen wollte, dass alle anderen Kriege führen oder in Kriege geraten – nur wir nicht. Es gilt gerade heutzutage sich wieder deutlich zu machen, dass auch dieser Teil zu einem souveränen Staat gehört. Dabei kann dieses Buch helfen zu verstehen, was kriegerische Handlungen in unserer Zeit bedeuten.
Autor: Textopfer
Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull | Thomas Mann
Die Felix Krulls sind in der Welt nicht weniger geworden- es werden zurzeit scheinbar immer mehr. Und schon immer hat uns dieser Menschentypus mit dem ausgeprägten Münchhausensyndrom – obwohl rücksichtslos und Schaden bringend – fasziniert. Sie sind verrucht, schamlos – aber sie haben scheinbar vor allem eines, was uns fasziniert: Eine riesige couragierte Freiheit (solange der lange Arm des Gesetzes sie nicht erreicht hat). Die direkten Nachfahren Krulls haben – wie er – auch das Potential zu Medienstars. Wie eine Hommage an ihre Lebenswerke erhielten Frank Abagnale, in Form eines Blockbusters („Catch me if you can“ mit Leonardo DiCaprio) oder aktuell Anna Delvey und Belle Gibson ihre eigenen Netflix-Serien.
Felix Krull ist charmant, besitzt Charisma. Lernt man ihn kennen, muss man ihn mögen. Sein ganzes Tun und Handeln kann er – bei aller Lüge, bei allem Betrug oder bei Diebstahl – auf fast altruistische Art und Weise rechtfertigen.
Der Gott des Waldes | Liz Moore
Erschienen im C.H.Beck-Verlag (Rezensionsexemplar, also Werbung) Highlight 2025 Es ist schon seltsam, wenn man im…
1864 – Bismarcks erster Krieg | Klaus-Jürgen Bremm
Den deutsch-dänischen Krieg kennt man zumeist maximal als kurze Zwischenstation und Zahl „1864“ aus dem Geschichtsunterricht im schnellen politischen Aufstiegs Bismarcks und Preußens hin zur Reichsgründung 1871. Dabei hat er bis heute Einfluss auf das Verhältnis zu unseren nördlichen Nachbarn. 1864 ist und war für Dänemark mehr als ein Kriegsjahr, es war ein Katastrophenjahr.
Klaus-Jürgen Bremm hat sich in den letzten Jahren zu dem Fachmann in Deutschland für solche Wendepunkte in der deutschen Geschichte entwickelt. Seine Werke helfen dabei diese Konflikte in ihren Entwicklungen und Auswirkungen umfassend zu verstehen und sind bei weitem sehr viel mehr als nur die Darstellungen kriegerischer Handlungen. Es geht um die Frage, wie es zu solchen kriegerischen Konflikten kommen kann. Konflikte, die man glaubte, nur militärisch lösen zu können und welche – zum Teil – bitteren Konsequenzen es für diese Staaten bedeutete. Wer verstehen will, wie Krieg entsteht, wird bei der Lektüre Bremms sehr viel darüber lernen. Ein Thema, das leider im aktuellen Europa 2025 wieder mehr verstanden werden muss. Denn es geht um die Selbstbestimmung von Landesteilen oder Ländern. Es geht um das Streben nach Freiheit und die Interessen großer Staaten, die unter dem Deckmantel der vermeintlichen Freiheit für andere, vor allem ihren Interessen nachgehen.
Nacht der Ruinen | Cay Rademacher
Es gehören viele Ebenen zu einem Roman, der nicht nur unterhalten will, sondern uns eine Zeit, Umstände, Verständnis für Menschen, für ihr Denken erklären möchte. Cay Rademacher erzählt eine Geschichte, die wunderbar in die Stadt Köln passt. Und dabei ist es nicht das Köln, das vor unserem geistigen Auge erscheint – es ist Köln in Trümmern. Ein graues, trostloses Leben am Ende. Das zerstörte Köln bietet die eindrucksvolle, und manchmal grausige Kulisse und steht stellvertretend für viele Orte nach dem langen, fast 6-jährigen Krieg. Schon oft haben Autoren ihre Geschichten in diese Kulissen gesetzt, jedoch ist Rademachers Geschichte sehr individuell. Es ist nicht „nur“ wie im Untertitel angekündigt ein Kriminalroman – nein, es ist Geschichte im Schmelztiegel. Dazu bedient sich Rademacher gekonnt historischen Persönlichkeiten und fiktiven Personen, die wie Stereotypen ihrer Zeit wirken. Die Denunziantin oder der Polizist, der eigentlich nur Polizist und nicht Nationalsozialist sein wollte oder der jugendliche Schwarzhändler, der irgendwie den Tag überleben möchte. Und dazwischen Joe, der nun als amerikanischer Soldat in seine einstige Geburtsstadt zurückkommt, aus der er als Jude 1938 vertrieben wurde. Mit einem Hauch von Nostalgie und einer großen Wut schaut er auf seine einstigen Mitbürger. Und ausgerechnet Joe bekommt den Auftrag, den Mord an einem amerikanischen Soldaten aufzuklären. Eine explosive Mischung.
Bedrohte Bücher – Eine Geschichte der Zerstörung und Bewahrung des Wissens | Richard Ovenden
„Einer der Zwangsarbeiter…, der Dichter Abraham Sutzkever, erhielt von der Gestapo die Erlaubnis, Papier als Brennmaterial mit ins Ghetto zu bringen, stattdessen brachte er aber seltene hebräische und jüdischen Bücher, handschriftliche Briefe von Tolstoi, Maxim Gorki… eines der Tagebücher von Theodor Herzl, … sowie Zeichnungen von Marc Chagall mit und versteckte sie umgehend…“ im Ghetto in Wilna/Vilnius.
Welch ein Einsatz für Bücher! Sein ganzes Leben für Bücher einzusetzen, da ihm dieser Wert höher erschien als sein Leben!
In seinem bemerkenswerten Buch „Bedrohte Bücher“ erzählt der britische Wissenschaftler, Richard Ovenden, einen faszinierenden Streifzug über die Versuche von Archivaren und Bibliothekaren dem Verlust von Kultur, Wissen, Gedanken, aber auch ganz alltägliches Erleben zu erhalten. Dieser Gang durch die Jahrhunderte zeigt aber vor allem auch die vielen traurigen Verluste all dessen. Es ist, als ob wir gemahnt werden unsere Errungenschaft besser zu schützen. Denn in einer Welt, in der zunehmend Demokratien durch populistische, faktenverneinende Systeme bedroht werden, ist Orwells „1984“ nicht weit und wir alle wissen, dass Papier bei „Fahrenheit 451“ brennt. Wir müssen uns wieder mehr verdeutlichen, welchen Schatz es zu verteidigen und zu erhalten gilt. Ovendens Buchs ist eine gute, wichtige Mahnung dazu und sie macht uns darüber hinaus in ihren vielen historischen Beispielen so deutlich, was wir alles schon verloren haben – sei es durch Zufall, Krieg oder ganz bewusste Auslöschung und Zerstörung.
Deutsche Hörer! | Thomas Mann
Manche Jahrestage kommen wie geplant um die Ecke, dabei sind sie doch nur ein zufälliges Spiel der Zahlen. Aber es ist schon bemerkenswert, dass wir in diesem Jahr den 150. Geburtstag des literarischen Jahrhunderttalents Thomas Mann feiern und gleichzeitig den 80. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs begehen werden. Wenn wir dann noch sehen, dass wir kurz vor einer Bundestagswahl stehen, bei der wir in einer – in der Bundesrepublik zuvor – noch nie gekannten Deutlichkeit als Demokraten Rechtsextremen gegenübertreten müssen, so zeigt dies im Besonderen: Thomas Mann ist aktuell! Es ist ein Glückgriff, dass der S. Fischer Verlag Manns mahnende Redensammlung „Deutsche Hörer!“ genau jetzt neu aufgelegt hat. Thomas Mann ist in seinen Reden aus den USA – in die der Literaturnobelpreisträger ungewollt ins Exil gegangen war, in dem er ein Flüchtling war – nicht müde geworden, wie ein Mahner in der Wüste, wie ein Sisyphos, der immer wieder neue Wege in die Köpfe der Deutschen suchte, dem eigenen Volk den kommenden Niedergang zu prophezeien, sollten sie nicht den Nazis den Gehorsam verweigern. Thomas Manns Worte sind nicht nur historisch. Sie lassen sich – erschreckenderweise – an vielen Stellen in unserer Zeit auf uns bekannte Populisten und vom Verfassungsgericht als gesichert rechtsextreme Parteien anwenden!
Daisy Miller | Henry James
Daisy Miller ist jung, nicht an Konventionen interessiert und macht das, was sie für richtig hält. Sie fragt nicht danach, was andere – was die „gute Gesellschaft“ – für richtig hält. All dies würde in unserer Zeit schon viel Mut bedeuten und zu Ausgrenzung bis zur Verachtung führen – aber im 19. Jahrhundert? Daisy Miller ist dort unzeitgemäß – ihrer Zeit voraus, denn sie sucht ihre Unabhängigkeit! Und dazu hat sie Charme und sie merkt, dass dieser Charme etwas bei Männern auslöst. In verspielter, vielleicht auch naiver Art liebt sie damit zu spielen. Sie kommt aus der „neuen Welt“ und ist fürs „alte Europa“ wie eine Zumutung und Herausforderung. Dort urteilt man über sie als unmoralisch und dabei ist sie in ihrer Umgebung doch bei weitem die authentischste Person. Sie sucht nach ihrem Glück – das Glück einer jungen Frau.
Steling – Wolfsgeheul | Ute Mainz
Er ist das Thema, mit dem man in Sekundenschnelle in den ländlichen Gebieten unseres Landes ganze Gesellschaften sprengen, entzweien und auf Konfrontation bringen kann: Der Wolf! Schaden und Feind oder schützenswert und wichtig? Kommissar Steffens gerät in seinem Einsatz genau in die Konfliktzone der gegnerischen Parteien, welche ständig im Kampf um die Argumentationshoheit sind. Und hier wird nicht nur mit Worten gefochten. In der Nordeifel, dem Dreiländereck zu Aachen oder am Steling (der höchsten Erhebung dieser Gegend), stehen sich die Menschen mit ihrer Position scheinbar unversöhnlich gegenüber. Es erscheint, dass jeder hier eine Meinung dazu hat. Eine aufgeheizte Atmosphäre, in der nicht viel fehlt, bis es eskalieren kann. Und dazwischen der sehr eigene, kernige Kommissar Steffens. Auch im vierten Teil der Steling-Serie erfahren wir wieder sehr authentisches über die Menschen und die Landschaft rund um Monschau und Mützenich.
Der Premierminister | Craig Oliver
Es ist immer besonders faszinierend, wenn ein Autor uns ein Werk präsentiert, das seine Welt und seine Kreativität miteinander verbinden. Craig Oliver weiß, wovon er uns in seinem Thriller „Der Premierminister“ berichtet, denn er war von 2011 bis 2016 Kommunikationsdirektor des Premierministers Cameron in der Downing Street No. 10. Seine Schilderungen rund um das Leben, um den Ort der Handlung und das Miteinander dort dürfte intensiv von seinen Erfahrungen und von den gedachten Szenarien geprägt sein. All das macht das Buch zu etwas Besonderem in der großen, großen Schar der Konkurrierenden Neuerscheinungen auf dem Markt der Thriller und Krimis. Ein Blick des Kenners, des Eingeweihten. Und noch etwas ist ganz anders. Kennen wir als Hauptperson in vielen Thrillern (auch in Filmen, wie z.B. „Airforce One“) das Staatsoberhaupt oder den Ministerpräsidenten als Verteidiger der Freiheit, ist sein Premier das totale Gegenteil: Kein Idealist! Ein egozentrischer Karriererist. Ein charakterlicher Schwachmat, dem man schon nach kurzer Zeit wünscht, dass ihn möglichst schnell der (literarische) Tod ereilt. Ein Seitenhieb Olivers auf seinen ehemaligen Chef?