Erschienen im Rowohlt-Verlag (Rezensionsexemplar, also Werbung) Von Generation zu Generation Es gibt Dinge, die ich…
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John | Bernhard Aichner
In Bernhard Aichners Welt werden Personen vollkommen neu besetzt. Er verdreht unsere Welt. John und Yoko sind nicht die lieben, etwas naiven, pazifistischen Aktivisten. Nein, sie sind eine Person, morden auf makabre Art, um ihre Gerechtigkeit zu erhalten, um zu überleben. Und dabei überschreiten sie Grenzen oder besser gesagt: Sie kennen keine Grenzen. Bernhard Aichner ist sich mit seinem neuesten Werk, selbst treu geblieben, ohne langatmig, langweilig oder eintönig zu werden. Ganz im Gegenteil. Sein Werk „John“ ist schnell, treibt uns von Seite zu Seite. Und dabei hatten wir uns doch alle nach dem Vorgängerwerk „Yoko“ gefragt: Was gibt es noch zu erzählen?
Wer den kurzweiligen, schnellen Thriller, fürs allabendliche Abschalten sucht, wird mit „John“ das richtige Buch finden. Man sollte, muss aber nicht „Yoko“ gelesen haben, um in diese rasante Fahrt einzusteigen. Man sollte sich in Aichners Welt aber darauf einstellen, dass viele Menschen „verschwinden“.
Anbruch der neuen Zeit! | Marina Münkler
Das 16. Jahrhundert erfährt nur selten spezielle Aufmerksamkeit. Wenn, dann ist es im Rahmen der frühen Neuzeit, die üblicherweise bis ins 18. Jahrhundert angesetzt wird oder unter der Überschrift Renaissance, die im Allgemeinen nur bestimmte europäische Phänomene in den Mittelpunkt rückt, ein Thema. Aber Marina Münkler hat eine andere Sicht darauf. Zeitlich fasst sie es enger als viele sonstigen Darstellungen, dafür aber geografisch weiter als unsere herkömmliche Geschichtsschreibung in Mitteleuropa. Es geht darum, wodurch und wo das europäische 16. Jahrhundert direkten Einfluss hatte und wie diese Einflüsse direkte Auswirkungen auf der Welt spüren ließen.
Es ist ein sehr dynamisches Jahrhundert, nach der Zeit des Mittelalters. Welch eine Fülle von weltverändernden Ereignissen schlagen kurz hintereinander ein? Die Entdeckung, Eroberung Amerikas und somit die Zerschlagung der Azteken- und Inkareiche, die Entdeckung des Seewegs nach Indien, Luther, die Reformation bis zur Spaltung der römischen Kirche, Kopernikus, Galileo, Kepler…. All dies brachte die bisherige Welt aus den Fugen und ein Resultat wurde der grausame Krieg, der sich angeblich selbst ernähren sollte – der in 30 Jahren ganze Teile Mitteleuropas wie entvölkerte. Ganz so weit geht Münklers Blick nicht, aber sie macht deutlich, warum das 16. Jahrhundert in einer solchen Katastrophe enden musste. Ein wahrer Umbruch war dieses 16. Jahrhundert und danach sollte nichts mehr in großen Teilen der Welt sein, wie zuvor: Machtverschiebungen und neue Perspektiven auf das menschliche Leben.
Was ans Licht kommt | Christoffer Carlsson
Als ich erfuhr, dass 2024 das dritte Buch des schwedischen Autors und studierten Kriminologen Christoffer Carlsson bei uns in Deutschland erscheinen wird, musste ich mir eingestehen, dass dieses Phänomen vollkommen an mir vorbei gegangen war! Welch ein Fehler! Nun, mit der Lektüre seines vor einigen Jahren ersten in Deutschland erschienen Buches „Was ans Licht kommt“ steht für mich fest: Ich muss sie alle lesen! Beschrieben wird dieses Buch auf dem Cover als Kriminalroman und das ist dieses leise, intelligente und menschenbeobachtende Buch auch: Es ist Krimi und Roman in einem. Denn Carlssons Geschichte ist nicht nur ein Krimi, es geht nicht nur um die Aufklärung von Morden. Nein, es geht auch darum, was das alles aus den Menschen macht. Es ist die Geschichte der Entwicklung dieser Menschen und wir leiden, fühlen mit ihnen. Alles bekommt so viel mehr Tiefe als in den vielen, vielen Büchern, die sich Krimi oder Thriller nennen, in denen Mord für die handelnden Personen scheinbar von alltäglicher Natur ist. Carlssons Personen wirken, als ob sie in unserer Nachbarschaft wohnen. Und dies trägt uns durch das Buch, denn wir möchten sie nicht allein mit diesem Schicksal lassen.
Adieu, Osteuropa – Kulturgeschichte einer verschwundenen Welt | Jacob Mikanowski
“Das kaleidoskopartige Muster aus Sprachen, Berufen und Gesellschaftsklassen, das das Leben in Osteuropa strukturierte, wirkte auf Außenstehende oft rätselhaft, aber auch für Einheimische konnte es eine Herausforderung darstellen.”
Und so wirkt es bis heute auf uns! Jacob Mikanowski erzählt hier liebevoll und emphatisch diese Geschichte, in der Form einer Kulturgeschichte!
Es gibt kein Land, das Osteuropa heißt oder Menschen, die sich als Osteuropäer sehen. Daher hat dieses Buch einen wunderbaren, bezaubernden Ansatz dieser Geschichte Osteuropas, es sieht das historisch Verbindende in vielen Teilen gelebter Kultur. Dort spricht wohl kaum jemand von einer Geschichte, sondern von lettischer oder ukrainischer, etc. Geschichte. Es ist also in diesem Buch erst einmal der Blick von außen auf einen gemeinsamen Kulturraum – von sich gegenseitig prägenden Ländern. Ein Blick auf viele Länder, die während der Sowjetzeiten oft so grau wirkten und die in ihren Nationalitäten, Religionen, Geschichten so vielfältig und bunt sind.
Krieg in Europa | Norbert Mappes-Niediek
Ein bestialischer, brutaler Krieg voller extremer Gräuel, voller schlimmster Kriegsverbrechen! Wie konnte dies im Europa der Nachkriegszeit geschehen? Warum zogen Bevölkerungsgruppen, die jahrzehntelang friedlich miteinander lebten, geblendet durch Nationalismus in so einen barbarischen Krieg geraten?
Norbert Mappes-Niediek holt uns die Erinnerung in den Kopf zurück, dass Krieg nach dem 2. Weltkrieg Europa nicht verlassen hatte. Wir hatten vor dem Ukraine Krieg in Zentraleuropa etwas aus dem Blick verloren, dass Krieg immer noch möglich ist und ein großer verheerender Krieg gerade einmal vor 20 Jahren vor unseren Haustüren wütete. Ein Krieg der Ethnien, der Religionen, ein Krieg geboren durch Nationalismus, ein Krieg um Geschichtshoheit.