Der Markt der Thriller ist groß und oft erscheint es uns, dass er zu groß geworden ist. Eine herrliche Sache ist es da, wenn sich ein Werk herauskristallisiert. Die erzählerische Raffinesse ist hier über dem Niveau, was man herkömmlich von Thrillern zurzeit gewohnt ist. Und das auf so vielen Ebenen: Atmosphäre, Charaktere, Geschichtsführung und -entwicklung und vieles mehr. Um es gleich zu sagen: Hätte es mein Zeitplan zugelassen, so hätte ich „Home before Dark“ an einem Stück durchgelesen – ohne abzusetzen. Eva Björg Ægisdóttir hat einen Schreistil, der alles so herrlich normal und klar darstellt, so dass wir alles wie selbstverständlich annehmen, egal wo sie uns hinleitet. Wir ziehen absolut nichts in Zweifel, ja haben das Gefühl, natürlich mitten in der Realität zu sein. Dabei wird diese immer unheimlicher und unklarer (Was ist hier wirklich passiert?).
Mysteriös entfaltet sich das Geschehen in der Welt dieses Werkes und ohne zu viel Schrecken, aber natürlich im düsteren Island-Setting. Die Spannung ist wunderbar schleichend-subtil und zieht uns so durchs Buch, so dass es wie ein innerlicher Kampf ist, dieses Buch zur Seite zu legen. So muss ein Thriller sein! Wir leben mit, wir leiden mit – die inneren Fragen wollen beantwortet werden. Aber so einfach macht es uns die Autorin dann doch nicht.