Erschienen im Piper-Verlag
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Wenn man mehr an den Instinkt glaubt als an die Menschen in seiner Umgebung
Wie schön ein Buch zu lesen, das sich zwar im großen Markt der Regionalkrimis findet, jedoch nicht durchzogen ist mit allem, was uns als Klischees so dazu einfällt. Man gewinnt das Gefühl, dass Autorin Maria Höfle wirklich die Story, der Krimi, wichtiger war und weniger (so wie bei anderen Kriminalromanen dieses Genres) die touristische Vermarktung einer bestimmten Gegend. Zwar sind wir deutlich in Kufstein und somit im wunderbaren Tirol und Höfle nutzt gezielt Plätze oder z.B. Lokale, aber der Schwerpunkt beginnt bei ihr erst einmal bei ihren Figuren. Ihr erscheint es wichtig, diese plastisch, mehrdimensional zu konstruieren und somit den Grundstein für einen soliden Krimi zu legen, der uns Stück für Stück durchs Buch zieht. Dies ist also keine reine Umarmung des Klischees. Das macht das Buch zu einem interessanten Kriminalroman. Es geht wirklich um den Fall und der ist gut konstruiert.
Ermittlerin Dorothea Keusch ist ein wenig die junge Form einer Jane Marple, die mit dem nötigen Dickkopf, auch bei Gegenwind, auf ihrem Weg bleibt, ihrem Instinkt mehr glaubt als den Menschen ihrer Umgebung und auch nicht davor zurückschreckt, gegen Autoritäten aufzubegehren (und zu ermitteln). Es geht darum der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Grundlagen einer schönen Krimiunterhaltung.
Ihre Zweifel werden belächelt
Eine junge Frau trägt Inspektorin Dorothea Keusch an, dass sie nicht an den Ablauf des von der Polizei ermittelten Raubmords an ihrem Vater vor 20 Jahren glaubt. Dorotheas Neugierde ist geweckt, denn sie hat Mitleid mit der Tochter des damaligen Opfers. Da jedoch die Struktur des Falls und die Umstände ein wenig an den Tod ihres Vaters erinnern, hat ihre Umgebung vor allem das Gefühl, dass Dorothea ihrem eigenen Trauma hinterherjagt. Somit wird sie wenig ernst genommen. Dies wird dann auch vielfältig der artikulierte Vorwurf, während ihrer Privatermittlung. Ihre Zweifel werden belächelt. Aber all das scheint sie nicht zu entmutigen, sondern anzuspornen.
„Dein ist die Sühne“ erinnert an die frühen Werke einer Nele Neuhaus (als deren Romane noch wirklich neu, kreativ und besonders wirkten). Das hat Vitalität und Energie. Ich gebe zu, dass für mich nicht unbedingt die typische Liebesgeschichte dazugehören muss, aber sie störte auch nicht mein Krimierlebnis. Und für manchen Leser oder manche Leserin mag dies die Kirsche auf der Torte sein.