Erschienen im Diogenes Verlag (Rezensionsexemplar, also Werbung) Nie ohne Empathie für seine Protagonisten Wir scheinen…
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Papyrus | Irene Vallejo
Wer die Vorstellung zu diesem Buch hat, dass es um die Geschichte des Werkstoffs „Papyrus“ geht, dem sei gesagt: Es geht in diesem Buch um viel, viel mehr! Nämlich das, wofür „Papyrus“ steht: um Bücher, die Geschichte und Geschichten von Büchern und wie diese unsere Weltgeschichte mitgeprägt haben. Denn für Bücher und das, wofür sie stehen, wurden Feldzüge und Kriege geführt. Sie waren Inspiration, Antrieb, Start und Ziel. Man darf sie nicht unterschätzen. Eine Geschichte der Menschheit, ist auch eine Geschichte ihrer Bücher und ihrer Verhältnisse zu ihnen. Eine Geschichte von z.B. Bibliotheken, Archiven und Büchereien, von Schriften und dem Lesen, von den vielen Schriftarten, von der Macht des Wissens und so vielen Aspekten, die all dies begleiten.
Vallejos Reise in die Vergangenheit startet an dem Platz der Geschichte, den wohl jeder bibliophile Mensch in einer Zeitreise gerne besuchen würde: Der Bibliothek von Alexandria. Und es geht nicht nur um den Ort – Nein, es geht um die Idee dazu. Die Idee, alle Bücher der Welt zusammenzubringen. Vallejo zeigt, dass schon vor über 2000 Jahren den Herrschenden die Kraft und Macht von Büchern bewusst war.
Zuversicht | Louise Brown
Welch ein wunderbares, kleines Buch gegen die führende Stimmung unserer Zeit, gegen den vorherrschenden Zeitgeist, der voller negativer Sichtweisen, Endzeitdystopien oder permanenterer Resignation ist. Da tut Zuversicht sehr gut. Nein, das Werk ist nicht geprägt durch Naivität oder Ignoranz. Zuversicht kann in unserem unperfektem Alltag stattfinden. Denn Zuversicht bedeutet – und das wird während der Lektüre des Buches deutlich – die Fähigkeit, die vielen kleinen Teile zu erkennen, die uns positiven Antrieb geben können und diese positiven Perspektiven in unserem Kopf zuzulassen. Und dazu hilft es Louise Browns Zeilen einmal auf sich wirken zu lassen. Sehr beeindruckend.
Down Cemetery Road | Mick Herron
Ich muss zum Auftakt direkt zugeben, dass ich in der großen Welt der Literatur, den vor Jahren beginnenden Hype über Mick Herrons “Slow Horses” – trotz meiner riesigen Affinität zur Metropole London – verpasst habe. Ich wurde auf Herron erst aufmerksam, als die entspreche Streamingserie startete. Im Nachhinein – mit meinem heutigen Wissen über Herrons literarische Fähigkeiten – ist mir nun mehr als nur ansatzweise bewusst, welches intelligente, wunderbar ironische Lesevergnügen ich so wohl verpasst habe. Meine Reise durch „Down Cemetery Road“, welches nun ebenfalls ab dem 29.10.2025 auf Apple TV+ als Serie starten wird, hat mir verdeutlicht, dass ich dringend die anderen Werke Mick Herrons lesen muss.
Seine Sprache ist ein herrlicher Genuss. Der süffisante, britische (von Ironie und Sarkasmus geprägte) Sprachwitz oder auch die besondere Komposition des Aufbaus (seien es einzelne Szenen oder die Gesamtkonstruktion), sind eine perfekte Mischung aus Unterhaltung und Sprachkunst. All das zeigt einen Autor, der nicht nur geschickt einen Kriminalroman konstruiert, sondern narrenhaft den Spiegel über die absurden Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft vorhält. Und oft, ja sehr oft, treffen wir dabei skurrile Gestalten, wie wir sie kennen oder vielleicht gar uns selbst?