Nachdem Ivar Leon Menger sich in den letzten Jahren sehr wandelbar in den Ausrichtungen seiner Thriller gezeigt hat, hat er nun mit „Düster“ erstmals eine Art Fortsetzung eines früheren Thrillers (seines Werks „Finster“) geschrieben. Wir dürfen gespannt sein, ob dies der Anfang einer längeren Serie sein wird. Die Grundlage, mit einem neugierigen Ex-Polizisten, der keine Ruhe findet, wenn etwas seine Aufmerksamkeit gewinnt, hat er sich geschaffen. Hans J. Stahl hat etwas von einer männlichen Miss Marple. In „Düster“, das merkt man deutlich, entwickelt Menger seinen Protagonisten stringent weiter. Stahl wird kantiger, marottenhafter und man kann sich sehr gut vorstellen, wie noch so manche „Stahlfälle“ auf uns zukommen, auch wenn die Hauptperson schon 73 Jahre alt ist. Vielleicht ein etwas später Einstieg für eine Buchreihe. Aber wer weiß? Vielleicht erhalten wir noch Fälle in der Retrospektive, zum Beispiel vom „Jungen Inspektor Stahl“.
Mengers Thriller einzuordnen fällt schwer, denn er bewegt sich zwischen Coziness, wenn es um Stahl und seine Lebensgefährtin Geli geht und brutalem Psychothriller à la Fitzek, wenn es um die dunkle Geschichte der Kindheit seines Täters oder den düsteren Umsetzungen seiner Morde geht. Menger spielt gekonnt alle Oktaven auf der ganzen Klaviatur des Thrillerwesens. Das macht das Buch abwechslungsreich und ähnlich wie es in der Musik mit Dur- und Mollakkorden ist, wirkt alles besonders durch den geschaffenen Kontrast. Es gibt Momente, in denen wir aufatmen können, nachdem wir gerade wieder einmal einen Mord miterleben mussten. Das gibt dem Buch einen dauerhaften, guten und weiterdrängenden Lesefluss.