Es sind die großen Epen der Welt, deren Ursprünge in der Dunkelheit der Geschichte liegen, die uns immer wieder faszinieren. Denn die Urstoffe, die uns in so vielfachen Verarbeitungen im Leben immer wieder begegnen, drücken viel über die Suche der Menschen aus. Und somit ist die Odyssee mehr als nur ein Buch, mehr als nur eine Geschichte. Sie hat sich auch in unserem Alltag zur Metapher entwickelt, für die Suche, die Fahrt, das Abenteuer, auf dem wir alle im Leben sind – und dies von Homer bis Udo Lindenberg und nun im nächsten Monat auch wieder im Kino. Sie bleibt immer aktuell. Und wir alle wollen der listenreiche, mutige, durchtriebene Odysseus sein und scheitern doch oft – wie auch Odysseus – nach viel Hochmut und dem Hang auch mal alles auf eine Karte zu setzen. Held und Verlierer, das hat viel Menschliches in sich.
Stundenlang könnte man also über Homers Werk philosophieren. Und bei allem stellt sich die Frage: Gab es ihn wirklich? Odysseus? Alles nur erfunden? Was ist Mythos und was ist Wahrheit? Raimund Schulz hat die Möglichkeiten durchleuchtet, was wir aus den dunklen Jahrhunderten – der Zeit zwischen Bronze- und Eisenzeit in Griechenland – vielleicht doch ableiten können, zusammengetragen. All das zeigt, wie spannend die Geschichte doch immer wieder ist – und die Begeisterung vergeht nicht. Ein sehr gutes Buch, um sich dem Epos zu nähern.