Das Leben in den Familien Chinas mag uns sehr fern vorkommen. Unzweifelhaft ist dort jedoch, dass in der traditionellen Sicht auf die Aufgabeverteilung einer chinesischen Familie die Schwiegertöchter quasi das unterste Glied bilden. In einer durch und durch patriarchalen Struktur, hat dann auch die Schwiegermutter noch über die Schwiegertochter, die nach der Heirat in die Familie einzieht, zu bestimmen. Die Vorstellung dort ist grundsätzlich davon geprägt, dass die Schwiegertochter in ewiger Dankbarkeit gegenüber der älteren Generation und auch gegenüber ihrem Mann und seiner ganzen Familie, täglich zu zeigen und zu zelebrieren hat.
Autorin Fang Fang stellt uns diese – zeitweise absurde – Situation der verheiraten Frauen in den durch Tradition geprägten Familien in ihrem kurzen Roman (ca. 160 Seiten) in makaberer und wunderbar ironischer Art da. Denn selbst als die Hauptperson He Hanqing ihrer Umgebung deutlich macht: „Ich geh jetzt los und bring mich um“, ist dies für die anderen Familienmitglieder bei weitem keine Aufforderung auf den verzweifelten Hilferuf freundlichen oder zugewandt zu reagieren, sondern es folgt nur die nüchterne Erkenntnis, dass man ihr dies auch nicht zutraut.