Mit der letzten Seite dieses Buches habe ich wohl eines der eindrucksvollsten Werke, die ich in diesem Jahr bisher gelesen, abgeschlossen. Ein Buch, das nach seiner letzten Zeile lange nachhallt. Ein Buch, das man verdauen muss, nicht wegen Schrecklichkeiten, sondern wegen der Tiefe seiner Worte und Personen, seiner Atmosphäre, der angesprochenen Emotionen und deren Intensität und Authentizität. Zwischenzeitlich war es immer wichtig, einmal tief Luft zu holen, um seine eigene Lebendigkeit zu spüren.
„Gelb, auch ein schöner Gedanke“ ist ein kleines literarisches Meisterwerk. Nefeli Kavouras´ assoziativer Schreibstil, der so sehr auf den Punkt bringt, wie z.B. ihre Protagonistin Ruth vom langen Sterbeprozess ihres Mannes – von den kleinen und großen Situationen – übernommen ist, macht fast sprachlos, lässt uns mitleiden – trifft uns mit voller Wucht. Wie Ruth selbst, können auch wir nicht aus dieser Situation entfliehen.
Alle ihre Sinne sind – gerade zu Beginn des Buches – permanent vollkommen auf „Habt-Acht“ gestellt. Es strömen zu viele Informationen in den Verstand, der diese nur wenig nach ihrer Wichtigkeit sortieren kann. Das ist ein Körper und Geist im permanentem Stresszustand, in Aussichtslosigkeit, Hilflosigkeit, Verzweiflung. Es ist meisterhaft, wie die Autorin dies erzählerisch umsetzt.
„Gelb, auch ein schöner Gedanke“ ist ein Buch über das Sterben, aber viel mehr über die, die dies begleiten und aushalten müssen.