Es liegt in der Natur der Sache, in der Professionalität eines guten Fotografen, sehr genau, scharf und klar zu fokussieren. Und dies gilt nicht nur für die bloße Optik. Nein, es gilt für den Blick auf den Menschen, der mehr als den physikalischen Gesetzen unterliegt. Das wird so deutlich, wenn wir die Zeilen im Werk Luigi Toscanos lesen. Fotografieren ist das intime Kennenlernen von Menschen. Es ist das Erfahren von und über Menschen, ist der Austausch, ist das tiefe Verstehen von Schicksalen und so viel mehr. Aber wer ist dieser Mensch, der es schaffte und immer wieder schafft, so tief verletzte Menschen, wie die Überlebenden des Holocaust, vor seine Kamera zu bekommen. Was bringt er mit? Was verbindet sie eventuell, so, dass er ihr Vertrauen gewinnen kann? Eine seiner Antworten (neben anderen) liegt in der Frage: Wo komme ich her, wo will ich hin?
Und „Kanakenkind“ bietet uns eindrucksvolle, aufwühlende, manchmal schwer zu ertragende, aber ehrlich klingende und authentische Antworten dazu, wo Toscano herkommt. Ein Buch, das nach seiner Beendigung im Kopf, im Verstand bleibt – weiter wirkt. Denn es sagt nicht nur etwas über die Vergangenheit, sondern seine Wahrheiten; über Ausgrenzung, Intoleranz, offenen und versteckten Rassismus und Antisemitismus. All diese Dinge sind 2026 in der deutlichen Gesellschaft im Wachsen begriffen. Sie sind scheinbar in Gestalt der Wahlerfolge von rechten Gesinnungen gesellschaftsfähiger geworden. Darüber und dazu hat die außergewöhnliche Persönlichkeit des Fotografen Luigi Toscano uns nun einen tiefgreifenden Beitrag geschenkt.