Endlich – ja endlich ein aktuelles Buch, das sich mit diesen letzten Tagen der NS-Diktatur beschäftigt. Die wenigen, skurril anmutenden Tage des von Hitler in seinem politischen Testament zum Reichspräsidenten erhobenen Karl Dönitz und seiner “Regierung“, sind leider den meisten Werken über den Niedergang des selbsternannten „1000- jährigen Reichs“ nur einige Sätze wert. Was und wen regierte diese Gruppe von Flensburg aus eigentlich? Ein Thema, das oft vernachlässigt wird, weil es irgendwie nicht so offensichtlich den Schrecken den Schrecken in sich trägt und sich wie ein Staat als lebender Toter darbietet. Und doch ist es viel mehr. Die Ansammlung einer unendlichen Zahl von Versuchen die Deutungshoheit über das NS-Regime zu erlangen, vieles und viele reinzuwaschen, Fluchtmöglichkeiten zu geben, Menschen verschwinden zu lassen, ja sogar immer noch „Recht“ im Namen des Deutschen Volkes zu sprechen und vieles mehr. Vieles mutet seltsam an, viel Blindheit existiert immer noch. Aber auch viel Angst, da man weiß, dass die Zeit naht, in der man nun endgültig für seine Verbrechen einstehen muss.
Autorin Svenja Falk geht logisch, sachlich und chronologisch vor und hilft uns damit, einen sehr guten Überblick in diesen chaotischen letzten Kriegstagen zu behalten. All dies wirkt noch einmal wie ein Schmelztiegel des Nationalsozialismus, wenn in dem kleinen Flensburg mit ca. 70000 Einwohnern, die letzten Nazigrößen der oberen und mittleren Ebene, vereint mit tausenden, hilflos durch das Reich verschickten und verhungernden KZ-Häftlingen, mit fast 170.000 von Wehrmachtssoldaten, Spionen und vielen mehr zusammengepfercht irgendwie leben. Ein wichtiges und spanendes Buch, das so manche Facette dieser kleinen historischen Episode zeigt, die man zuvor noch nicht vermutet hat.