Fakten zu sammeln ist in der Geschichtsschreibung das Handwerk, das man, wie jedes Handwerk erlernen kann. Dazu muss man Akten und Urkunden und andere Primär- und Sekundärquellen lesen, verstehen, analysieren und auch einordnen können. Und dazu benötigt man ein Vorwissen, das man in seinem Handwerk gelernt haben muss. Umso größer dieses Vorwissen, umso besser, genauer und umfangreicher ist die Möglichkeit der Interpretation der Quellen – die Möglichkeit die Geschichte besser zu verstehen und nachvollziehen zu können. Aber wie gesagt: das ist alles Handwerk – das sollte jeder, der ein Geschichtsbuch schreibt beherrschen.
Jetzt kommen wir aber zum fabelhaften englischen Historiker Dan Jones. Denn die wahre Kunst der Geschichtsschreibung ist: Geschichte erzählen zu können! Sie zu erwecken, sie lebendig zu machen. Und vor allem sie für die Menschen seiner eigenen Zeit zu einer Wichtigkeit zu machen, bei der es sich lohnt, sich mit dieser auseinanderzusetzen. Und das ist die Erzählkunst, die (leider) noch lange nicht jeder Historiker besitzt. Dan Jones ist mit seiner Art Geschichte darzustellen, absolut vielen Historikern voraus. Seine Bücher sind voller Spannung, mitreißend, mit allen Bereichen eines Thrillers. Wer dies für maßlos übertrieben hält, möge sich seinem neusten Werk nähern. Was erst einmal wie eine dröge Biographie über einen der vielen englischen Könige des Mittelalters wirkt, ist hier wie ein Familiendrama, voller Intrigen, ist wie eine Justiz-, Agenten- oder Historiendrama voller Waffengängen und Fehlentscheidungen, ist wie ein Actionfilm und so vieles mehr. Auch „Henry V“ ist wieder einmal ein grandioses Geschichtswerk des Multitalents Dan Jones, der nicht nur Historiker im üblichen Sinne ist, sondern auch erfolgreicher Dokumentarfilmer. Das in England, nach wie vor, die Geschichtsabteilungen der Buchläden so riesig und vielfältig sind, hat viel damit zu tun, dass es dort so gute Autoren gibt. Wir sollten in Deutschland endlich davon lernen.