Es ist wunderbar zu sehen, dass in den letzten Jahren der Fokus auf die Leistungen vieler Frauen in der Geschichte immer mehr geschärft wird. Nicht nur im Sachbuchbereich, sondern auch durch die Romanform wird versucht, die außerordentlichen Leben vieler Frauen, ihren Mut, ihre Courage und somit ihren Versuch ein selbstbestimmtes Leben zu führen, zu erforschen und ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Natürlich war vielen die Engländerin Gertrud Bell schon zuvor bekannt, da sie zu den Privilegierten und Persönlichkeiten ihrer Zeit gehörte, die dadurch auch besondere Möglichkeiten hatte. Aber all dies soll ihre Leistungen nicht schmälern, denn auch für die Frauen der Upper-Class im Viktorianischen Zeitalter und auch danach war das „Korsett“ des Lebens sehr eng geschnürt, die Erwartungen auf einen Weg in Ehe mit Kindern, sehr eng. Um so mehr ist ihr beachtlicher Weg einer hohen Bildung und ihr Freiheitsdrang zu bewundern.
Erfolgsautor Oliver Guez hat sich nun in seinem neusten Roman dem Leben, Denken, Handeln und Schaffen der hochintelligenten Gertrud Bell in sehr feinfühliger Art genähert. Ein Roman zwischen Sachlichkeit und Emotion, der somit sehr passend zu Bell ist. Ihr Leben gleicht einem Abenteuerroman und zeitweise einem Spionagethriller. Denn sie war unter anderem als inoffizielle Mitarbeiterin des britischen Geheimdienstes während des 1. Weltkriegs im Orient – als Frau in gefährlicher Mission in einer absoluten Männerdomäne.