Erschienen bei Prinz Publishing
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Satire schlägt Extreme
Endlich mal wieder eine Satire. Ich liebe Sprachwitz und Ironie! Und nichts provoziert politische Extreme mehr als die Satire, nämlich genau dann, wenn die politischen Außenflanken sich – in ihrem als historischen Auftrag angesehenen Agieren – nicht ernst genommen fühlen. Es ist herrlich, wenn sie ins lächerliche gezogen wird, ja, wenn die Extremen in dieser extremen Form erkennen müssen (falls sie intellektuell dazu überhaupt in der Lage sind), wie sie auf die Welt wirken. Mauris Blandit hat uns dazu ein wunderbares Beispiel über die (vor allem) Rechtsextremen geschenkt. Ob Wutbürger, Neonazis, Querdenker, Reichsbürger oder einfach auch der biedere „Otto-Normalbürger“, durch ihre Vor- und Pauschalurteile haben sie es alle hier ins Buch geschafft. Dazu betreibt er ein kurzweiliges Jonglieren mit deren in Klischees betoniertem Denken. Eine Sammlung der vielen Auswüchse dieser Szene der letzten Jahrzehnte, die uns allen als so schrecklich normal für Vertreter dieser Klientel in unserem Land vorkommen. Aber Blandit zwinkert auch immer mal wieder ironisch über die linke Weltverbesserungsecke – macht auch süffisant deren vorhandene Naivität in der Auseinandersetzung mit dem rechten Rand deutlich. Ein großer Spaß, der uns aber leider – bei aller Ironie – auch auf seine Art die erschreckenden politischen Realitäten im Land aufzeigt.
Ein absurder Plan oder doch fast Realität?
Zum Inhalt: Es ist 2015. Kanu, ein bekennender Rechtsextremer, Querdenker und Aluhutträger, ist sich zum Beispiel auch über die angeblichen Einflüsse des Milliardärs Bill Gates sicher, dass dieser, durch vom Himmel fallende Mikrochips einen perfiden Einfluss auf die Gesellschaft hat. Seit er aufgrund seiner verfassungsfeindlichen Auffassungen aus der Bundeswehr ausgeschlossen wurde, hasst er alle Staatsorgane. Diesen Hass lebt er in seinem Heimatdorf Braunheim aus, in dem, in einem ehemaligen Bordell mit dem weitblickenden Namen „Hindukusch“, eine Asylbewerberunterkunft untergebracht wurde. Dort arbeiten Eva, Sonja, Jonas und der, von den anderen (nach dem Schlachterfabrikanten) benannte, „Tönnies (genaueres zu dieser skurrilen Namensgebung im Buch). Zusammen mit der ehemaligen Ortskraft aus Afghanistan, dem Asylbewerber Allaa, schmieden sie den Plan, dass Kanu das Schicksal eines Flüchtlings an der eigenen Person kennenlernen und erleben soll. Der Anfang eines amüsanten, chaotischen und abwechslungsreichen Roadtrips in Richtung Afghanistan.
Mag der Plan, Kanu dazu zu bewegen nach Afghanistan zu fliehen, erst einmal absolut absurd auf uns wirken, geben Überlegung und Planung der Aktion durch die vier Aktivisten des kirchlichen Flüchtlingsrat, dem ganzen dann doch wieder etwas fast Realistisches, was die Geschichte auch braucht, um dann so gut zu funktionieren. Das ist dann die Grundlage für den Reiz des folgenden unterhaltsamen, mit vielen Anspielungen und Wortspielen beginnenden, Irrsinns. Autor Mauris Blandit lässt die Argumente ihres Kopfes Tönnies, seine Beweggründe und die dann folgende, (etwas chaotische, aber symphytische) Umsetzung für uns fast (aber natürlich mit einem großen Augenzwinkern) plausibel erscheinen.
Miniflüchtlingstrek aus Deutschland
Ein besonderes Szenario stellt die Aufstellung der Hauptpersonen durch den Autor für uns dar. So wirkt einzig und allein Alla, der Migrant aus Afghanistan, als rational denkend, bodenständig und normal auf uns. Er ist ein wunderbarer Kontrapunkt zu unseren bundesdeutschen Konflikten der Rechten und Linken. Er bringt eigentlich die Nüchternheit mit, die Ausgewogenheit und Rationalität, die man eigentlich im deutschen, Humanismus geprägten Handeln, vorfinden sollte.
Dies beweist sich als fabelhafter erzählerischer Schachzug. Allaa ist (zumeist) der ruhige Pol zwischen der Bösartigkeit von rechts und der Naivität von links. Und somit kommt es zu ironisch-absurden Situationen im Miniflüchtlingstrek aus Deutschland in Richtung Südosten.
Es ist zu hoffen, dass diese Geschichte, neben der vorhandenen literarischen Verarbeitung, auch eine filmische findet. Die Grundlage dazu ist durch das Werk absolut gegeben und wäre sehr gut vorstellbar.