Ja, und wir brauchen es mehr denn je! Unsere “Moral” ist zurzeit scheinbar im Dauerkrisenmodus und scheint sich in linken und rechten Identitätskonflikten aufzureiben. Wer glaubt, dass dies ein Thema von Vorgestern ist, muss beantworten, wie wir zukünftig zusammenleben wollen und sollen. Daher ist dieses Buch zutiefst aktuell und absolut am Puls der Zeit! Und ich gebe zu: Es fällt mir an dieser Stelle sehr schwer nicht zu spoilern, weil es nun so viel aus diesem Buch zu berichten gäbe!
Sprechen wir über Moral, klingt doch im Allgemeinen darin für uns schnell ein Verbot, etwas von Restriktion, mit. Ja, etwas, dass unser Handeln, unsere Freiheit einschränkt. Aber die Moral in unseren Gesellschaften ist etwas tief Verbindendes – gemeinsame moralische Vorstellungen sind der Kitt der Gesellschaft. Gleichzeitig kann es auch für andere Teile den Ausschluss bedeuten. Aber wir brauchen Moral – einen festen Normen- und Wertekomplex unseres Handelns. Selbst der Mensch, der sein Handeln als amoralisch einordnet, muss eine Vorstellung davon haben, was Moral bedeutet.
Schlagwort: Geschichte
Die Geburt des römischen Kaiserreichs | Barry Strauss
Immer wieder setzen wir uns mit der Geschichte Roms auseinander- unzählige Male. Und warum? Weil uns alles als so typisch menschlich erscheint! Wir erkennen die Schwächen und Stärken rund um das Thema der Macht. Denn viele Geschichten haben die Züge von Parabeln. Bei der Schlacht von Actium stehen sich 31v. Chr. Marcus Antonius mit Kleopatra und Octavian mit seinem Admiral Marcus Vipsanius Agrippa gegenüber. Eine sehr heterogene Gruppe, die das Schicksal dort zusammengebracht hat. Marcus Antonius, Lebemann, Spross einer Skandalfamilie aus Rom. Dagegen: Octavian, der 18jähriger Haupterbe Cäsars und der so vor allem den türöffnenden Namen erhält. Sein Freund Agrippa, sein Unterstützer der ersten Stunde! Und – auf der Seite des großen Heerführers Markus Antonius – die ptolemäische (also eigentlich griechische), mit einem Gespür für Macht ausgestattete, ägyptische Königin Kleopatra. Ein vom individuellen Ehrgeiz jedes Einzelnen getriebene Quartett.
Die Erfindung des Rades – Als die Weltgeschichte ins Rollen kam | Harald Haarmann
Harald Haarmann hat uns viel zu sagen und ich gebe zu: Ich bin ein Wiederholungstäter! „Die Erfindung des Rades” ist mittlerweile mein drittes Werk, das ich von ihm lese.
Der Mensch und die Macht – über Erbauer und Zerstörer Europas im 20. Jahrhundert | Ian Kershaw
Er ist mittlerweile der Inbegriff der hohen Kunst der modernen Geschichtsschreibung Europas! Bestens recherchiert, analytisch/psychologisch-tiefgreifend, umsichtig, pointiert – ja, da wo andere 100 Sätze schreiben, schafft er es die Dinge in fabelhaften maximal 10 Sätzen umfassend zu erklären, darzustellen und zeitweise Unbegreifliches begreiflich zu machen! Es macht einfach Spaß so Geschichtseinblicke zu erhalten!
Wer Ian Kershaw noch nicht gelesen hat, sollte dies zeitnah ändern. Dieses Buch, mit 20 Essays über mächtige Menschen im 20. Jahrhundert, könnte ein guter Einstieg sein.
Die Kürze der Würze | Klaus Zeyringer
“Vom Elbstrom den 1. Januario. Dises Orts ist anjetzo nichts schriftwürdiges vorgefallen.” Eine solche Einsicht von manchem Journalisten in Tageszeitungen würde ich mir heute auch wünschen!
So ist es bei diesem Werk aber bei weitem nicht! In der Rubrik “Vermischte Meldungen” ist über die Jahrhunderte so viel zwischen Spektakulärerem bis Profanem erzählt worden, was seinen Autoren so würdig erschien festgehalten und verbreitet zu werden, dass wir dies doch oft schmunzelnd und/oder kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.
Die kleinen spektakuläreren Geschichten in der Zeitung, Randnotizen, “Aus aller Welt” oder wie sie sich nennen – wir lieben sie! Sie sind über den Schlagzeilen des Tages das Salz in den Nachrichten. Und sie verraten uns doch auch so viel über unsere Gesellschaft, über unsere Vorlieben, heimlichen Neigungen, unseren persönlichen Voyeurismus und unserem nicht endenden Spaß am Skurrilen.
Deutschland 1923 | Volker Ullrich
Wir steuern auf 2023 zu und da ist der Blick zurück zum Krisenjahr 1923 sehr gut. Haben wir heute das Gefühl, die Welt verliert ihre Fasson, so blicken wir in Volker Ullrichs Buch auf ein Deutschland im Chaos, am Rande von Anarchie, Fremdherrschaft, Faschismus und Kommunismus. Während der Lektüre ist die dauernde Frage: Wie konnte das Land dies überstehen?
ODER: War dies schon der Anfang vom Ende?
Und so sehen wir Besetzung, Inflation und antidemokratische Bestrebungen auch heute in Europa und können vielleicht von der Hartnäckigkeit der Demokraten von damals lernen. Was damals die junge Demokratie Deutschlands traf, trifft zurzeit – in anderer Form – Europa als Ganzes! Zurzeit noch nicht in dieser extremen Form – aber wer weiß: 2023 steht erst noch vor uns!
Blicke in die Geschichte lohnen sich immer – dieser Blick zum jetzigen Zeitpunkt ganz besonders!
Die Reise unserer Gene | Johannes Krause mit Thomas Trappe
Ullstein-Verlag Es gibt Bücher, bei denen wir merken, dass sie unser ganzes Denken und große…