erschienen bei S. Fischer
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Voller Zivilcourage und Tatendrang
Die Geschichtsschreibung ist in den letzten Jahren sehr fleißig in den Bereichen Feminismus, Frauen in der Geschichte und/oder der Biografien von Frauen, die ganz besondere Leistungen vollbracht haben (solange wir dies aufgrund zeitweise schlechter Quellenlagen überhaupt sehen und bewerten können) gewesen. Es gab und gibt sehr viel aufzuholen. So ist es wirklich ein Gewinn, dass Bianca Walther uns nun einen aktuellen Überblick über die Entwicklung zur und innerhalb der Frauenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in ihrem Werk mit dem vielsagenden Titel „Die Vorkämpferinnen“ schenkt. Walther schafft die gute Mischung aus sachlicher Darstellung der Strukturen und ihrer Entwicklungen der Organisationen, sowie die sehr persönlichen und sehr nahbar nachzuempfindenden Lebenswege und Lebensbedingungen ihrer mutigen Heldinnen. Ein Buch, das so weitaus mehr ist als eine schnöde Auflistung von Fakten, sondern einen tiefen Einblick in die schwierigen Umstände und Kämpfe dieser Frauen zeigt. Ziel war – mal mehr, mal weniger – irgendwann Gleichberechtigung gegenüber der Männerwelt zu erhalten und somit das Patriarchat zumindest zu schwächen oder es vielleicht auch irgendwann hinter sich zu lassen. Gleichzeitig ist „Die Vorkämpferinnen“ eine wunderbare Zusammenstellung besonderer Charaktere, voller Zivilcourage und Tatendrang. Frauen, die sich für die Gesellschaft einsetzen – oft ohne Lohn, sondern sehr viel Spott und Hohn, Arroganz und Verachtung erfuhren. Aber ihr Tatendrang hat die Welt in den letzten 200 Jahren deutlich verändert. Wir bräuchten auch heute – auf vielen Ebenen – diesen mutigen Einsatz für unsere Gesellschaft. Und zwar von Männern und Frauen. Das macht „Die Vorkämpferinnen“ plötzlich noch aktueller als es ihr Thema an sich schon ist.
Wunderbare, tiefe Gedanken lernen wir kennen
Bianca Walther stellt klar, dass der Kampf um die demokratischen Rechte der Frauen so alt ist, wie der Kampf um die Demokratie. Nach einem kurzen Überblick erster Frauen, die mutig während und nach der franz. Revolution ihre Ansichten für eine Gleichberechtigung artikulieren, startet Walther mit der Darstellung der ersten Schritte eines organisierten, gemeinsamen Vorgehens von Frauen, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Sprechen wir über „Frauenbewegung“, so müssen wir fürs 19. Jahrhundert eigentlich über zwei sich unterscheide Bewegungen sprechen: Einer bürgerlichen und einer proletarischen, die sich aus der Arbeiterschicht heraus entwickelte.
So viele besondere Frauen der Deutschen Geschichte begegnen uns, von z.B. Helene Lange bis Clara Zetkin. Wunderbare, tiefe Gedanken lernen wir kennen: „Die Geschichte aller Zeiten hat es gelehrt…daß Diejenigen, welche selbst an ihre Rechte zu denken vergessen haben, auch vergessen wurden“ (Louise Otto-Peters/1848).
„Weiterkämpferinnen“
Bianca Walthers höchst informatives Werk endet mit dem Erreichen des Wahlrechts der Frauen in Deutschland bei der Gründung der Weimarer Republik. Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Geschichte der „Weiterkämpferinnen“ weitergeschrieben würde. Denn gerade die Rückschläge der Frauenrechte in der NS-Diktatur, die Geschichte der schweren Kämpfe für Gleichberechtigung in der Adenauer-Ära oder der Frage, ob es in der DDR wirklich eine größere Gleichberechtigung gab, schreit förmlich nach Folgebänden.