Erschienen bei Kiepenheuer und Witsch
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Unaufdringlich und unaufgeregt
Vielleicht haben viele Menschen in unserer heutigen Zeit die Hoffnung und Sehnsucht nach dem überschaubaren Miteinander, nach einem Leben im dörflich geschlossenen Milieu, wo noch jeder jeden und jede kennt, man zusammen aufgewachsen ist und sich gegenseitig ein Leben lang begleitet. Was für einige nach Langeweile klingt, bringt anderen Sicherheit. Das kann eng sein, aber auch auf charmante und positive Art familiär. Für die, die dies mögen, ist „Mirabellen Tage“ bestimmt ein sehr angenehmes und beruhigendes Buch. Es ist grundsätzlich ein sehr ruhiges, unaufdringliches und unaufgeregtes Buch, auch wenn der Auftakt seiner Handlung im Tode einer geliebten und geschätzten Person und der daraus entstehenden Nostalgie nach den vergangenen Zeiten liegt.
Autorin Martina Bogdahn zeigt oftmals einen zarten und trotzdem direkten Erzählstil, der manchmal schon leise, flüsternd daherkommt. Die Welt ist sehr, sehr cosy und wie im perfektem Landhausstil. Hier gibt es keine Kratzer im Lack, keine Widersprüche. Sommerlich leuchtende und dörflich klischeeartige Bilder und Personen entwickeln sich vor unseren Augen. Vieles wirkt sehr süßlich.
Blumfeld
Das Dorf Blumfeld: Pfarrer Josef ist gestorben, Haushälterin Anna Nass hat hier und zusammen mit der Gemeinde und Josef ihr ganzes bisheriges Leben verbracht. Man kennt sich, man kennt die Geschichten der Vergangenheit. Nun komm der Ersatzpfarrer Fridjof, der mit seinen nordischen Wurzeln von seinem Sein und seinem Jargon so gar nicht ins ländliche Süddeutschland passt. So trinkt der Pfarrer aus Friesland Tee, was im Süden eher als ein Anzeichen für Krankheiten verstanden wird.
Und es gibt auch noch ein Geheimnis, was Josef quasi seiner Haushaltshilfe hinterlassen hat, mit dem sie jetzt irgendwie umgehen muss, für das aber aller Wahrscheinlichkeit niemand hier im Dorf Verständnis hätte.
Eine Welt der Pastellfarben
Martina Bogdahns „Blumfeld“ (natürlich ist auch der Name bezeichnend) ist weit weg von unserer Welt. Es ist so weit weg, dass man noch nicht einmal Michael Jordan kennt, sondern nur – aufgrund seiner Bibelfestigkeit – den Fluss Jordan. Spätestens bei ihren Retrospektiven im Buch, fühlt man sich zurückversetzt ins geschlossene katholische Milieu der 50er oder Anfang 60er Jahre, dessen Negativauswirkungen auf die Menschen damals, aber hier irgendwie nicht existieren. Wer solche Ausflüge in eine vermeintlich heile Welt mag, mag sich hier sehr wohl fühlen. Die Frage für jeden Leser und jede Leserin sollte jedoch vor der Lektüre dieses Buchs sein, ob man sich wirklich auf solch eine Weltenflucht in eine Welt der Pastellfarben einlassen möchte. Dies muss jeder/jede für sich selbst zuvor entscheiden.