Dual Square Publishing
ISBN 978–3-9827236–8-6
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Cyber Mission
Der neue Ethan Hunt ist weiblich und ihre Action findet nicht auf den Straßen oder den außergewöhnlichen Gebäuden der Megastädte der Welt statt. Nein, ihre Action ist am Puls der Jetzt-Zeit (und der Zukunft) – im Cyber-Space. Denn unsere Abhängigkeiten und die Beeinflussungen auf unser tägliches Leben durch diese virtuelle Welt sind weitaus umfangreicher, als wir dies doch im täglichen Leben empfinden. Und genau hier setzt Jason C. Raynes an. Die Angst, dass durch diese Abhängigkeiten die Sicherheiten unserer realen Welt zusammenbrechen können. Denn unser Abhängigkeitsgrad von der digitalen Welt ist mittlerweile unermesslich. Was im Internet oder Darknet oder anderen solcher Schauplätze geschieht, hat direkte Konsequenzen auf unsere Staaten, auf unsere Leben. Kidnapper rauben keine Kinder mehr auf der Straße und fordern Lösegeld, und Bankräuber entern keine Bank mehr und schweißen Tresore auf. All dies geschieht auf seine Weise in Cyber-Space.
Jason C. Raynes Thriller „Der Parasit“ zeigt somit eine neue Möglichkeit für Werke, die sich zukünftig Thriller nennen. Waren bisher digitale Technik Randphänome in solchen Thrillern, wird die digitale Technik hier selbst Mittelpunkt derAction. Wir sind endlich in den neuen Realitäten des 21.Jahrhunderts angekommen. Raynes Welt ist die der Hacker, der Cyber-Kriminalität. Natürlich gibt es immer noch gut und böse – das Spiel kennt kein Ende. Aber der Ort, die Methoden und die Spielarten haben sich drastisch geändert. Raynes Thriller ist eine „Mission Impossible“, die wirklich unsere Zeit erreicht hat. Das ist neu, das ist anders und hat aber nichts von trockener Computer-Nerd-Atmosphäre, sondern kann sehr schnell und actiongeladen sein.
Kein Computerfreakvorwissen nötig!
Samantha Chen-Miller, kurz Sam genannt, leitet das weltweit arbeitende Team „Phoenix“, welches von seiner Berliner Zentrale aus Cyberattentate und -angriffe auf Firmen oder staatliche Sicherheitsbereiche bekämpft. Das Team besteht aus Computerspezialisten, aber auch ausgebildeten, ehemaligen Soldaten. Viel Know-How kommt hier zusammen. Man ist umfassend vernetzt, in Politik und Wirtschaft, aber auch in die Communitys des Darknets. Nun hat eine undurchsichtige Gruppe die wichtigen Lieferketten der Pharmaindustrie mit Ransomware (eine Infiltration des Systems, bei dem quasi alle Daten zu Geiseln werden und somit die Firmen handlungsunfähig sind) in ihre Gewalt gebracht. Schon schnell geht es für Hunderttausende in Europa um Leben und Tod.Und Jason C. Raynes schafft für uns Leser eine Lage, die sich Stück für Stück immer weiter eskalierend hochschaukelt, so dass man sich fragt: Wie kann dies hier eigentlich noch gestoppt werden?
Deutlich wird bei Jason C. Raynes Darstellungen der Abläufeund Hintergründe, dass hier ein Fachmann schreibt, der um die Geschichte und dem aktuellen Zusammenspiel von Wirtschaft und Cyberwelt weiß. Allerdings möchte ich als Nicht-Fachmann in diesem Gebiet deutlich betonen, dass die Geschichte für jeden zugänglich ist. Geschickt baut Raynes immer wieder Basis- und Hintergrundwissen in den Verlauf seiner Geschichte ein. Man muss also selbst kein Computerfreak sein, um die volle Wucht der Spannung nachvollziehen zu können. Sehr verständlich und niemalsüberfordernd, nimmt uns der Autor in diese Welt mit.
Fiktion?
Aber nicht nur in Bereich des Inhalts, sondern auch in der Erzählform zeigt Raynes sich eigenwillig und modern. So erscheint sein Schreibstil sehr passend zur Umgebung der Computerwelt und der rationalen Kürze vonProgrammierungen. Er ist oftmals sachlich, kurz, knapp, präzise, ohne uns nötige Informationen oder gar atmosphärisch etwas zu nehmen. Daher verfängt er sich (glücklicherweise für einen Thriller) nie zu sehr in überflüssige Detaildarstellungen. Raynes Sprache ist oft stakkatoartig, fast mathematisch nüchtern, verliert aber nichtan Spannung. Sie kann dadurch sehr schnell werden, was den Thrill dann auch besonders unterstützt. Das macht Spaß und treibt die Story in den richtigen Momenten nach vorne. Und es passt in die schnelle Welt der Bits und Bytes, der fortschreitenden Technologie, die hier im Gewandt von Gut und Böse gegeneinander antritt.
Letztlich bleibt beim Leser – neben einer kurzweiligen, schnellen Story – der deutliche Weckruf, den Autor Raynes uns mitgibt: Wie viel ist hier Fiktion oder wie viel ist davon schon Realität oder kann Realität werden? Ein Thriller mit einem großen Nachhall.