erschienen bei Ampel Publishing
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Das 4wheels-Team
Es mag für viele oberflächlich als entspannt und mit Leichtigkeit verknüpft sein, wenn jemand erwähnt, er würde seine Strecken mit dem Fahrrad erledigen. Das dies aber beim Vorhaben die Welt umfänglich zu erkunden nicht der Fall ist, wird uns bei der Lektüre des Autors und Weltenabenteurers Lion Kruse schon auf den ersten Seiten deutlich. Wer wirklich auf diese Art und Weise in die Realitäten anderer Kontinente, Länder, Gesellschaften eintauchen möchten, braucht Vorbereitung auf vielfältige Weise und den nötigen Mut aus seiner Komfortzone herauszukommen.
Lion Kruse nimmt uns auf seine abenteuerlichen Reisen mit. Es geht dabei darum, mit dem Fahrrad die Welt zu erkunden, zu sehen und vielfach zu verstehen. Dabei bildet Autor Kruse mit seinem Freund und vielfach auch Leidensgenossen Addy, das Team 4wheels. Ein Team wie Ying und Yang, in dem jeder seine verschiedene Persönlichkeit und Skills einbringt. Das literarische Ergebnis ist ein wunderbarer Reisebericht unserer Zeit und unserer Welt, der unsere Perspektiven – und somit auch eigenen Grenzen – deutlich erweitert.
Grundvoraussetzung: Eine positive Haltung bewahren
Kruse ist die Auseinandersetzung mit Land und Leuten wichtig. Fremdes Verhalten und Kulturen zu erkennen, kennenzulernen und zu verstehen. Ihm geht es darum, die Besonderheiten dieser Länder und Gesellschaften nah und authentisch selbst zu erleben. Dabei stehen oft nicht die täglichen Fahrradstrecken von oftmals weit über 100 km durch herausfordernde, geografische Umstände im Mittelpunkt, sondern vor allem die Begegnung mit den Menschen dort. Es sind keine inszenierten Treffen mit Würdeträgern oder Autoritäten, sondern zufällig Begegnungen mit „ganz normalen“ Menschen, die wirklich oft doch vieles über die Gesellschaften dieser Länder erzählen.
Eine solche Reise verlangt von den beiden Radfahrern – neben sportlicher Fitness – vor allem ein ständiges Anpassen an die Länder, Gepflogenheiten und geographischen Gegebenheiten. In diesem ersten Band seiner Zweiradweltreise, in dem das 4wheels-Team durch Teile Afrikas und Südostasien fährt, bedeutet dies z.B. zur eigenen Sicherheit in Südafrika die Kriminalität, in Namibia die Distanzen, in Botswana die Tierwelt täglich zu bedenken. Auch betont Autor Kruse, dass man, um solche Touren bestehen zu können, vor allem seine impulsartigen, individuellen Bedürfnisse beherrschen und eine positive Haltung bewahren muss.
Tiefgang und Nachhall
So zeigen und beweisen Kruses Erzählungen, dass man für ein solches Vorhaben viel Mut, Selbstvertrauen, aber vor allem auch ein grundsätzliches Vertrauen in die Menschheit haben muss. Ständig sind dann auch wir Leser in der Anspannung und Angst, dass die beiden z.B. in Südafrika keinen Übernachtungsort vor dem Sonnenuntergang finden könnten, was dort höchste Gefahr bedeuten würde. Wir reisen mit, das macht den Charme dieses Buches aus.
Auch vom humanistischen Blick heraus zeigen die Erfahrungen auf einer solchen Fahrt, dass Realitäten in fernen Ländern oft weitaus komplizierter sind als unsere – oft durch hohen Idealismus geprägten – Ansichten, fern ab hier in Europa. Sei es z.B. beim Thema, dass nach wie vor die Landbesitzer in Südafrika ausschließlich weiße, somit privilegierte Menschen sind und schwarze Polizisten dort, von den Menschen aller Hautfarbe, keinen Respekt erhalten. So zeigt sich bitterlich, dass in Südafrika, auch nach über 30 Jahren nach der Apartheid, noch immer oft die Hautfarbe den sozialen Satus zeigt.
Oder das Mitleid mit Bettlern in Namibia schnell zu einer Erwartungshaltung vieler Menschen dort führen kann, dass man allen Nahrungsmittel oder Geld geben möge. Die theoretischen Gefühle von Gerecht und Ungerecht werden hier in den Realitäten Afrikas schnell auf den Prüfstein gestellt. Erlebnisse, die beim Autor (und auch beim Leser) gute, tiefe und nicht einfach zu beantwortende Fragen aufwerfen. Begegnungen auf Reisen können halt mehr sein als ein flüchtiger Blick. Sie haben Tiefgang und Nachhall.
Menschen mit großem Fernweh und Tatendrang
Lion Kruses Erzählung ist eine gute Lektüre für alle, die über den Tellerrand schauen möchten. Aber auch für die, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, solche Touren im Leben selbst einmal anzugehen. Gerade für diese Menschen, Menschen mit großem Fernweh und Tatendrang, sind Kruses Erlebnisse eine sehr gute, spannende und interessante Fundgrube.