Erschienen bei Klett-Cotta
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Aktuelle politische Bücher
Das Problem bei politischen Büchern über die permanenten Konfliktherde unserer Welt ist oft, dass sie schon im Moment der Veröffentlichung nicht mehr aktuell sind und die Ereignisse oft die Schilderungen im Buch überholt haben. Rainer Herrmanns Werk „ Die Zerstörung des Nahen Ostens“ kann man jedoch klar davon frei sprechen. Hermann geht es nicht um die einzelne Nachricht, sondern vielmehr um die Strukturen und diese zu verstehen, um sich so dem großen Ganzen zu nähern. Detailreich schildert er die Geschehnisse der letzten Jahre, und dies oft mit Informationen, die es in der Flut der täglichen Nachrichten nicht bis zu uns geschafft haben. Er zeigt sich dabei als umsichtiger Fachmann. „Die Zerstörung des Nahmen Ostens“ ist mittlerweile, nach „Arabisches Beben“ (2018) und „Achse des Scheiterns“ (2021), sein drittes Buch zu diesem Komplex.
Fundamentiert Analytisch
Nach einem kurzen Abriss der Entwicklungen des Nahen Ostens im 20. Jahrhunderts, schildert Hermann in zwei großen Komplexen die jüngsten Ereignisse bezüglich Israel und Palästina, sowie im zweiten Komplex, die Ereignisse bezüglich der islamischen Republik Iran. In einem letzten Teil präsentiert er seine außerordentlich interessante Sicht auf die Zukunft des Nahen Ostens. Hermann beweist sich hier und durchweg während des gesamten Buchs, als sehr akribisch bezüglich seiner Quellenrecherche. Das mach Spaß zu lesen und fundamentiert auf vorbildliche Art und Weise seine analytischen Darstellungen. Dazu nutzt Hermann z.B. erste Statistiken zu den Themen rund um Vertreibungen oder Opferzahlen im Krieg zwischen der Hamas und Israel, die uns helfen, die Situation (oder besser Eskalation) besser einordnen und bewerten zu können.
Zwei Triebfeder heizen nach seiner Sicht aktuell unsere Welt politisch an: Zum einen fundamentalistische Religionsauffassungen, und zum anderen, die sich daraus ergebenen, angeheizten Kulturkämpfe. Und im Nahen Osten schlagen drei unvereinbare extreme Ansichten aufeinander: die orthodox-jüdische des Staates Israels, die fundamentalistisch-islamische auf der Seite der Hamas und die christliche-nationalistische der trumpschen USA.
Das Ende des liberalen Zeitalters
Rainer Hermann ist Fachmann und analytisches Schwergewicht. So sieht er in unserer Zeit das Ende des liberalen Zeitalters, d.h. das Ende der bisherigen Nachkriegsordnung. Mit den Jahren 2022 bis 2025, mit Angriff Russlands auf Ukraine am 24.02.22, dem Überfall der Hamas auf Israel am 07.10.23 und dem Beginn der zweite Präsidentschaft Trumps am 20.01.25, hat die Welt sich endgültig geändert. Strukturen, die schon in den 10er Jahren unseres Jahrhunderts durch das, was wir in unseren Nachrichten arabische Revolution nannten (die aber vollkommen andere Ergebnisses hatten als die erwarteten und erwünschten Demokratien in diesen Staaten) oder der Besetzung der Krim angelegt wurde, waren Vorboten unserer aktuellen Konflikte und Neuordnungen. Genau solche Einordnungen machen Hermanns politisches Buch lange aktuell und zwar weit über das „normale Haltbarkeitsdatum“ solcher politischer Bücher hinweg.