Erschienen im Herder-Verlag
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
… wo die Dynamiken des Lebens einen hinführen
Ein halbes Jahrhundert alt zu werden ist für jeden Menschen – egal wie sehr er /sie es versucht von sich fernzuhalten – ein großer Einschnitt im Leben. Die Chance erneut 50 Jahre zu erhalten ist schwer und überhaupt macht die Perspektive deutlich, dass das Leben schwerer werden wird. Aber es ist auch der Moment für ein Resümee, wo wir denn nun stehen, dass heißt gewollt oder nicht angekommen sind. Wenn man sich dann eingestehen muss, dass das derzeitige Leben nicht mit den Umständen und Dingen, die man sich gewünscht hat, gefüllt ist, muss man Gedanken der Verzweiflung ertragen. Willkommen in der Sinnkrise. Sinnkrise, die böse Zungen als Midlife-Crises und Menschen mit positivem Blick als zweite oder neue Chance bezeichnen.
Autor Martin Glück hat diese Lebenssituation in seinem Werk, welches nun in der neuen Serie „Inspirational Novels“ des Herder-Verlags erschienen ist, auf unterhaltene und auch durchaus fragende Art dargestellt. Wir folgen einem dieser Menschen mit dem Etikett „Ü50“, seiner Suche, der nun mit Mut die bisherige Sicherheit abrupt hinter sich gelassen hat. Und wir erleben, dass wenn man den bisherigen sicheren Hafen hinter sich lässt, man nicht wissen kann, wo die Dynamiken des Lebens einen hinführen. So beginnt ein eigenwilliges und intelligentes Buch.
Jenseits des Alltäglichen
Daniels Leben ist, seit dem Weggang seiner Freundin Lena vor einigen Jahren, leise geworden. Sein Leben plätschert unspektakulär, voller täglicher Routinen, die man nur maschinengleich absolviert, vor sich hin. Nun, an seinen 50. Geburtstag ereilen ihn plötzlich Gedanken, die ihm kritisch den Spiegel vorhalten. Als ihm dann die junge Arbeitskollegin Sophie mitteilt, die Firma zu verlassen, obwohl sie eine aussichtvolle Karriere einschlagen könnte, versteht er dies nicht. Auf seine Nachfrage hin äußert sie einen Satz, der seinen bisherigen Werdegang endgültig hinterfragt: „Ich will mich nicht erst in 10 Jahren fragen, wann ich aufgehört habe, ich selbst zu sein.“
Martin Glück treibt die Geschichte zu Beginn gut an. Es verhaftet nicht im “Hin und Her“ während der Gedankenfindung Daniels über den möglichen Ausbruch aus diesem Leben. Bei Glück geht es viel mehr um dass, was jenseits des mittlerweile als sinnlos empfundenen Alltagslebens auf Daniel wartet.
Sinnsuche
„Die Wunderliste“ ist ein herrlich, einfühlsamer Roman. Etwas cosy, denn einfach mögen hier die Antworten daherkommen. Aber dies gibt dem ernsthaften und oft angstbesetzten Hintergrund dieser Sinnsuche vieler Menschen, doch etwas Beruhigendes und rundweg Positives. Daniels Suche entwickelt sich zu einen literarischen Road-Movie und erinnert auch mal an die Abendteuer von Voltaires zutiefst optimistischen „Candide“. Aber genau dies gibt der Sinnsuche hier das Positive und hat nicht den bitterbösen, makaberen Beigeschmack. Sinnsuche ist in sich etwas Befreiendes und somit Gutes.