Es gilt nach wie vor viel historisch nachzuholen, wenn es darum geht, den Einfluss von Frauen in der Weltgeschichte herauszuarbeiten, einzuordnen und zu bewerten. In vielen Bereichen blenden da die männlichen Berühmtheiten, sodass die wenigeren Frauen bis heute noch nicht den berechtigten Bekanntheitsgrad erreicht haben. Dieses Buch tut jedoch einen sehr guten Dienst dazu, der vergangenen Realität gerechter zu werden: Die Rolle der Frauen in der Spionage. Und wie so oft beim Thema „Frauen in der Geschichte“, ist es oft eine Geschichte, dass Frauen unterschätzt wurden. Hier dann oft zum Nachteil der gegnerischen Geheimdienste und deren Staaten.
Der Sonne so nah | Axel S. Meyer
Was für eine fabelhafte Idee, die Leben zweier Pioniere der Luftfahrt in solch einer Form in Beziehung zu setzten. Zweier Personen, die ein ganz besonderes Ego hatten, mit Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen, Kreativität – zwei besondere Typen:
Ferdinand Graf von Zeppelin und Otto Lilienthal!
Und aufgrund dieser Persönlichkeiten sind die Wege sehr, sehr unterschiedlich!
Dieses Buch ist ein frühes Lesehighlight in diesem Bücherjahr, das jeden, der Spaß hat an niveauvollen historischen Romanen, eine sehr gute Zeit garantiert!
Ein irischer Dorfpolizist | Graham Norton
Unsere Köpfe sind voller Klischees und Stereotypen, sobald wir nur den Namen eines Landes hören. Irland! Grüne Wiesen, ländliche Reinheit und Schönheit, eigenbrötlerische Nerds – zeitweise ein wenig Kriegszustand. Wird in Büchern damit zu viel gespielt, hat es etwas von Kitsch, fataler Nostalgie und/oder purer Trivialität. Existieren sie gar nicht in Büchern, sind wir zeitweise etwas orientierungslos und verwundert. Graham Norton schafft es in „Ein irischer Dorfpolizist“ genau das richtige Maß zu finden. Und wer zudem die Kulissen Irlands als wunderschönes Urlaubsland liebt, wird hier ein wenig Urlaub machen können.
Die Story-Küche | Matthias Nold
Matthias Nold präsentiert uns hier ein Buch mit einem besonderen innovativen Ansatz: Stellen wir uns vor eine Business-Story schreiben zu wollen, dann vergleichen Sie dieses Vorhaben doch mit dem Kochen! Dieser ungewöhnliche Ansatz mag uns erst einmal verwundern, verblüffen und etwas absurd klingen, aber Nold macht uns schon nach einigen Zeilen klar: Da ist was dran!
Verwunderlich ist auch, wie individuell man durchs Buch gleiten kann. Man kann sich seinen eigenen Weg (via kleinen „Hinweisschildern“) suchen. Dies ist kein 08/15 von Vorne-nach-Hinten-Buch. Schließlich sucht jeder nach „der Story”. Es geht um Kreativität, um Ausdruck – vor allem Individualität. Da passt es, seinen eigenen Pfad durchs Buch selbst zu suchen, selbst zu finden – da passt auch mal Try-and-Error, was dieses Werk zulässt!
Siddhartha | Hermann Hesse
Erschienen bei Suhrkamp Klassiker ohne Ablaufdatum! Immer wieder ist es mir wichtig in diesem Blog…
Feuerland | Peter Neumann
Ich denke, wir alle lieben und brauchen Utopien – die Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine bessere Welt. Und doch sind es die oftmals frustrierenden Dystrophien, die in den letzten Jahren die Bücherwelt dominierten. Sehen wir die Zukunft nur negativ? Peter Neumann setzt dem ein ganzes Sachbuch entgegen! Erinnert woran wir vielleicht eher arbeiten sollten: Weniger ans Aufgeben denken und Scheitern glauben, sondern mehr an ein kreatives “besseres Schaffen”.
Gräber, Grüfte und Gebeine | Jungklaus, Lippok, Krebs, Malliaris (Hrsg.)
Wer denkt schon gerne an den Tod? Oder erst recht daran, was mit ihm selbst beim Beerdigungsritus geschieht! Dennoch fasziniert das Morbide. Der Tod inspiriert – ob religiös oder spirituell, unsere Fantasie oder Kreativität. Düster, dunkel sind die Gruften, Gräber – voller Vorstellungen von Verfall, Wiedergängern und der Erwartung einer Auferstehung. Und so erging es auch unseren Vorfahren! Wir lernen durch die Beerdigungsriten der Vergangenheit ihre Sicht auf den Tod kennen. Aus den letzten ca. 130 000 Jahren besitzen wir Funde von Bestattungen von Menschen. Sie verraten vieles über die Menschen jener Zeiten, ihre religiösen Einstellungen, über Kulturen und vor allem etwas darüber, was vielleicht den Menschen ausmacht: Stirbt jemand, wird er uns – trotz Leblosigkeit – nicht egal!
Die Toten Mädchen vom Monte Argento | Emanuela Valentini
Ein neuer Krimi hat mich gefesselt! Und das sehr schnell – nach einigen Seiten und so auch bis zur letzten Seite! Zur Story: Sara kommt als Erwachsene zurück an den Ort ihrer Kindheit, genauer: Ihrer Sommerferien. Doch alles ist nun für sie schlecht besetzt – kein Gefühl der Geborgenheit, der schönen Erinnerungen, denn über dem Anlass der ungewollten Rückkehr liegt ein Schatten des Schecken, der Angst und der Ungewissheit. Claudia wird beerdigt – Claudia die einst verschwand und deren Kinderschädel nun bei Bauarbeiten gefunden wurde.
“Verbergen, Verschweigen, Verdrängen” prägt die Grundstimmung in Borgo Cardo. Sara verlässt den Ort bereits wieder am selben Tag – aber all das lässt sie nicht los: Die Tote, die zerbrochenen Menschen, die gekünstelten Menschen. Was ist passiert damals und was machte es aus den Kindern, mit denen sie aufwuchs?
Die Hohenzollern und die Nazis | Stephan Malinowski
Stefan Malinowski hat ein Buch geschrieben, dass die bundesdeutsche Geschichtsschreibung unbewusst lange sehnlich erwartet hat! Dieses Buch ist ein “Muss” für jeden geschichtsbegeisterten Leser. Und es ist ein “Muss” für jeden, der sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzt. Stephan Malinowski hat damit ein neues Standardwerk für Historiker geschaffen. Und es beeindruckt in seiner umfangreichen Recherche und seiner vielschichtigen, konsequenten und analytischen Darstellung!
Es ist gut und wichtig, dass es dieses fabelhafte Buch nun gibt, dass die Familie der Hohenzollern ins rechte Licht setzt – eine Familie, die sich ihrer schrecklichen historischen Vergangenheit in ignoranter Form nie gestellt hat. Und die gleichzeitig – auch heute noch- immer höchste finanzielle Forderungen an unseren demokratischen Staat stellt. Wer dieses sehr umfassende Werk gelesen hat, kann solchen Forderungen nur mit einem Kopfschütteln des Unverständnisses und (ich gebe es zu) einer gewissen Wut begegnen.
Der Zug der 10000 | Wolfgang Will
Der große Xenophon, Schüler des Sokrates, hat uns eine der wahrscheinlich spannendsten Autobiographien der griechischen Antike hinterlassen. Eine Art reales “Game of Thrones” vor über 2000 Jahren in Griechenland – ein Lehrstück über Macht, Gewalt, Krieg, Freundschaft und Verrat. Aber Xenophon schrieb seine Autobiographie – wie bei diesem Genre nicht anders zu erwarten – nicht vollkommen selbstlos. Ja, er schrieb sie noch nicht einmal offen, sondern erfand einen fiktiven Erzähler und spricht von sich selbst im Werk in der dritten Person. Hintergrund: Er wollte als wahrer Kriegsheld gesehen werden, denn er ist der rettende Held der Geschichte.