Erschienen bei Piper
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Gehypt
Man muss bei weitem nicht jeden Trend mitmachen oder bei allem, was gehypt wird, wirklich dabei sein. Aber der Auftakt zu Linus Geschkes Donkerbloem-Trilogie, die seit Monaten in der Bookbloggerszene hochgelobt wird, kann man wirklich als Meisterwerk dieses Genres bezeichnen. Wohl kein Thriller hat es in den letzten Jahren bei mir geschafft, sich so herauszukristallisieren aus den vielen, vielen Büchern dieser besonderen Welt, so wie nun dieser. So möchte ich klar sagen: Wer hier als Bücherfan (und vor allem Thrillerfan) nicht dabei ist, hat die aufkommende FOMO in sich, klar verdient. Er/Sie verpasst eine riesige Sache! Und ich hoffe absolut, dass Teil 2 und 3 das hohe, vom Autor selbst gelegte, Niveau beibehalten können.
Die Ardennen
Über allem in der Geschichte schwebt die Frage: Was geschah mit Lisa Martin 2011 auf dem Campingplatz Camp Donkerbloem in den belgischen Ardennen? Spurlos verschwand die junge Frau und außer ihrer Mutter und ihrer Schulkameradin Frida Stanhnke, die heute Polizeibeamtin ist, scheint sich niemand mehr für das Schicksal Lisas zu interessieren.
Linus Geschke schafft es von den ersten Zeilen an, eine besondere, düstere Atmosphäre aufzubauen. Wir müssen ahnen, dass Lisa schrecklichste Dinge widerfahren sind. Dieser angedeutete Exzess lässt Thrillerfans sofort Laymon Vibes erahnen, ohne dass Geschke diese in Direktheit äußert. Aber das braucht er auch nicht, denn das schwingt ungesagt in seinen Zeilen mit. Das ist erzählerisch brillant. Geschkes Art den Exzess anzudeuten ist subtil, aber nicht minder effektiv beim Leser.
Darüber hinaus schafft es Linus Geschke die Ardennen so wirken zu lassen, wie Grangé die französischen Alpen. Allein schon der Ort wirkt so unheimlich, dass einen das Gefühl überkommt, dass dort Übles passiert sein muss. Das Böse scheint hier zu Hause zu sein. Die Charaktere, die er schafft, wirken – trotz ihrer zeitweisen Verwandtschaften zu Stereotypen –nicht konstruiert, sondern wir haben das Gefühl, solche Typen zu kennen. All dies bildet eine fabelhafte Grundlage zum Thriller.
Das Extreme und der Exzess
Das Extreme und somit der Exzess, haben immer ihren großen Reiz auf den Menschen. Sie beinhalten starke Gefühle, starke Erlebnisse und ziehen uns daher – oft mehr als unser Verstand uns davor warnen kann – wie magisch an. Geschke spielt hier damit und spielt somit mit uns. Das ist gute Erzählkunst. Wir fühlen uns wie Kinder, denen man am Lagerfeuer Gruselgeschichten erzählt und die immer wieder sagen: „Erzähl weiter!“ Nur diese Gruselgeschichten hier sind deutlich für Erwachsene. Und da wir die Fortsetzung einfordern, muss ich nun zeitnah Teil 2 lesen.