Sein Weltreich war das größte Reich, das jemals in der Geschichte der Menschheit existierte und trotzdem ist uns hier in Mitteleuropa die Geschichte des Dschingis Kahns so wenig präsent. Das sollte nicht sein, denn sein Einfluss auf die weiteren Wege der Weltgeschichte sind immens. Dschingis Kahns Reich zerfiel nicht, wie das von Alexander oder Napoleon. Nein, es lebte auch nach seinem Tode weiter. Insofern ist es gut zu wissen, dass es 2027, 800 Jahre nach seinem Ableben, eine große Ausstellung über den großen Kahn in Berlin geben wird. Als beste Vorbereitung (oder wenn man nicht dorthin kommen kann) und um die doch großen Lücken für die meisten geschichtsinteressierten in Europa zu schließen, haben Gisela Graichen und Matthias Wemhoff jetzt eine Biografie veröffentlicht, die mehr einem Abenteuerroman gleicht als einer Biografie (die bei Geschichtslern ja schnell sehr trocken und rein faktisch sein kann). Dschingis Kahns Geschichte ist wie geschaffen als Vorlage für eine Netflix-Serie. Sie ist Drama, voller Action und seltsamer Wendungen. Sie ist aber vor allem ein Eintauchen in eine ferne Zeit, in eine ferne Kultur. Eine uns fremde Kultur, die vom Nomadentum geprägt war. Packend, oft wie fantastisch und verwunschen, und doch so menschlich, gibt uns das Buch tiefe, gute Einblicke. Ein Geschichtsbuch, das bestimmt auch Menschen, die ansonsten weniger im Bereich Geschichte unterwegs sind, beste Unterhaltung und Knowhow bietet.