Ist das ein Thriller? Oh, ja! Auch, wenn wir doch sprachlich und im Storytelling eigentlich etwas anderes erwarten. Thriller kann auch leiser, Thriller kann auch langsamer und all dies nimmt ihm nichts von der Spannung, vom Thrill. Zwar erfindet Chris Warnat den Thriller nicht neu, aber sie definiert ihn in vielen Nuancen anders. Und das macht ihren Thriller nicht zur Fast-Food-Lektüre, wie wir sie in diesem Genre, aufgrund des Überangebots, so oft finden. Nein, ihr Thriller besticht durch eine ungewöhnliche Mischung. Ein Thriller, der sich die Zeit nimmt in wohlplatzierten Worten und wohltemperierten, ausgefeilten Sätzen, die uns gekonnt mit einer ganz spezifischen Atmosphäre umgarnen, langsam einspinnt. „Vier Minuten Stille“ ist nicht nur ein Spannungserlebnis, sondern auch literarisch ein Leseerlebnis. Eine Fundgrube für alle, die Spaß an Sprache haben. Und in dieser sprachlichen Raffinesse erinnert das Werk manchmal doch eher an einen Roman. Und das mag den ein oder anderen Leser, der die Geschwindigkeit des klassischen anglo-amerikanischen Thrillers sucht und mag, vielleicht etwas holprig durchs Buch führen.