Erschienen bei Rowohlt
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Zurück!
Sie ist zurück! Bernhard Aichners Totenfrau. Und mit “Blum” (wie sie kurz und bündig heißt) sollte man sich nicht anlegen. Man sollte sie nicht unterschätzen und es erscheint, dass sie immer wieder unterschätz wird.
Jetzt lebt sie – fern ab von Innsbruck – unentdeckt und inkognito als Skipperin in Kroatien. Ihr altes Leben hat sie hinter sich gelassen. Aber die Gefahr, dass es sie einholt, ist stetig da. Nur Reza, ihr ehemaliger Angestellter, Vertrauter und höchst loyaler Freund lebt dieses Leben mit ihr gemeinsam.
Bernhard Aichner startet (für seine Verhältnisse fast) langsam. Doch schon bald gibt es den ersten Toten und es scheint eine Entführung gegeben zu haben. Gibt es einen Zusammenhang? Blum muss handeln und es scheint, dass einige Informationen zurückhalten werden. Ausgerechnet von der Klientel an Menschen, die schon zuvor zu oft auf Blums Wegen standen: Reiche Männer, die keine Rücksicht auf andere Menschen nehmen – für die Ausbeutung zum natürlichen Lauf des Lebens gehört.
Aber nicht mit Blum. Und damit beginnt eine Kette von Ereignissen, wie wir sie in Aichners Thrillern lieben: Abstrus, chaotisch, unvorhersehbar und Grenzen überschreitend.
Was wird passieren? Es wird eskalieren, das ist klar.
Alles bleibt im Fluss
Aichners Stil ist wieder kurz, knapp präzise und trotzdem kommen wir Blum nahe, verstehen sie in ihrem Denken und in ihrer Welt. Blum tickt anders. Ihr planmäßiges, kühles Vorgehen hat viel Pragmatismus, ist aber bei weitem nicht emotionslos. Nur: Wer unter Toten aufgewachsen ist, sie als Spielkameraden hatte, hat nun einmal ein sehr nüchternes Verhältnis zum Tod.
Aichner hat neben seinem spezifischen erzählerischen Stil, auch schriftsprachliche Eigenheiten. Kurze, knappe Absätze verhindern zu lange Passagen, die irgendwie den Drive aus der Geschichte nehmen können. Dialoge nur mit Spiegelstrichen gekennzeichnet, lassen den stoppenden „Schilderwall“ an Satzzeichen weg, damit der Lesefluss nicht ansatzweise gestört wird. In dieser oft wie minimalistischen Schreibweise, bleibt trotzdem alles verständlich – es geht einfach „schneller von der Hand“. Alles bleibt im Fluss.
Weiterentwickelt
Aichners Fortführung seiner bisherigen „Totenfrau“-Trilogie wird in diesem neuen Band fabelhaft weitererzählt. Die Geschichte ist intelligent weitergedacht und bei weitem keine 08/15 Fortsetzung. Aichner präsentiert dem Leser ein wirklich denkbares Szenario. Im Gegensatz zu so mancher Fortführung anderer Autoren, die man sich hätte klar sparen können, verstehen wir aufgrund des Charakters Blum, wie die Entscheidungen zustande kamen, die nun zum neuen Setting führten. Auch die Figuren neben der Protagonistin sind gut weiterentwickelt. So wirkt der Konflikt zwischen Blum und ihrer Tochter Nele logisch und nicht hölzern konstruiert. Tochter Nele hat in ihrer Rigorosität und Absolutheit etwas von ihrer Mutter. Das passt sehr gut.
Ein Thriller der – wie seine Vorläufer– Spaß macht.