Welch ein besonderes Geschichtsbuch zur Deutschen Geschichte! Und dies am Beispiel einer Stadt, mit dem Blick auf die sehr persönlichen Schicksale und Sichtweisen ihrer Bürger und Bürgerinnen zwischen 1914 bis 1939. Aber es ist nicht irgendeine Stadt. Es ist nun einmal „Weimar“. Eine Stadt, die wie der Schmelzpunkt der Deutschen Geschichte wirkt. Sie ist Zeichen der ersten deutschen Republik und auch deren Untergangs. Und als eine der bevorzugten Städte der NSDAP, steht sie für den Weg in die menschenverachtende Diktatur – den Weg Deutschlands in staatlich organisierten Mord, einen Unrechtsstaat und das totale Gegenteil von menschlicher Kultur.
So wird das beschauliche Weimar, das sich seiner ruhmreichen Kulturgeschichte rühmt, 1919 in revolutionären Zeiten Unterschlupf für die verfassungsgebende Versammlung. Als Touristenstadt hat man genug Betten und ein Hoftheater, das als Parlamentsgebäude fungieren kann. Der neue Parlamentarismus ist für die eher bürgerliche Gesellschaft Weimars ernüchternd. Die Zeiten werden sie in Angst und Schrecken vor einer kommunistischen Revolution versetzen, ihnen zum Teil ihren Besitz durch Inflation nehmen und die Blindheit, mit der viele auf die völkischen Bewegungen gesehen haben, geben.
In Katja Hoyers umfangreichem und beeindruckendem Werk „Weimar“, vermischen sich die Sichtweisen von vollkommen „normalen“ historischen Personen und uns heute noch bekannten Berühmtheiten. All dies erleben wir hier sehr intensiv. Menschliche Schicksale und Katastrophen, Hoffen und Leiden dieser Zeit bekommen Namen. Ein wirklich bewegendes Sachbuch.