Der Zug der 10000

Der Zug der 10000 | Wolfgang Will

Erschienen beim C.H.Beck Verlag
(Rezensionsexemplar)

Der große Xenophon

Der große Xenophon, Schüler des Sokrates, hat uns eine der wahrscheinlich spannendsten Autobiographien der griechischen Antike hinterlassen. Eine Art reales “Game of Thrones” vor über 2000 Jahren in Griechenland – ein Lehrstück über Macht, Gewalt, Krieg, Freundschaft und Verrat. Aber Xenophon schrieb seine Autobiographie – wie bei diesem Genre nicht anders zu erwarten – nicht vollkommen selbstlos. Ja, er schrieb sie noch nicht einmal offen, sondern erfand einen fiktiven Erzähler und spricht von sich selbst im Werk in der dritten Person. Hintergrund: Er wollte als wahrer Kriegsheld gesehen werden, denn er ist der rettende Held der Geschichte. 

Zwischen Söldnern

Xenophons Anfang seiner Reise ist wenig kriegerisch – er ist mehr als Beobachter dabei. Bei seiner Reise mit einem Söldnerheer interessieren ihn neben dem Verhalten der Soldaten auch die fremdartigen Sitten und Gebräuche der anderen Völker, die Ruinen untergegangener Kulturen und die Städte, die sie durchqueren. Ein kleiner antiker Reiseführer, Reiseroman.
Wolfgang Wills Buch bringt uns diesem besonderen Griechen, den Verfasser von Anabasis und Katabasis erst einmal näher. Wir lernen Xenophon, was ihn prägte, was ihn trieb und seine Zeit kennen. All dies, um seine Aufzeichnungen besser verstehen und einschätzen zu können.
Sein Freund Proxenos bringt ihn zum persischen Königssohn Kyros, der heimlich einen Feldzug gegen seinen auf dem Thron sitzenden älteren Bruder Artaxerxes II vorbereitet. 
Neben der Geschichte rund um die rivalisierenden Königsbrüder, erfahren wir auch die Motivation und das Dasein des antiken Söldnerwesens. Eine Sorte Mensch, die wenig Solidarität, aber ihren Vorteil kannte. 
Die Schlacht geht verloren und die Frage ist, kann man den Söldnern trotz Treueschwur zueinander vertrauen? Man muss jetzt mitten durch Feindesland! Und der Gegner weiß, wie man Söldner beeindruckt! Wird es einen Verrat geben?

Ein verständliches Fachbuch!

„Der Zug der 10000 – Die unglaubliche Geschichte eines antiken Söldnerheeres“ ist ein Buch, das auch verständlich und spannend für den Nicht-Antike-Freak ist. Man lernt halt Peu a Peu die historisch-griechischen Fachbegriffe. Viele dürften dem Leser aus dem herkömmlichen Geschichtsunterricht bekannt sein, viele werden im Allgemeinen erklärt oder erklären sich aus dem Kontext. Also keine Scheu für diese Geschichte aus der Antike! Belohnt wird man mit einer Story voller Dramatik, menschlichem Opportunismus, Verrat, aber auch Helden. 
Das Buch ist vor allem geeignet für Leser, die es lieben solche historischen Reisen und Wege auf Karten nachzuvollziehen, die Gegenden kennenzulernen. Dazu dient das Kartenmaterial im Buch! Spaß macht es natürlich aber auch, darüber hinaus parallel dazu zu recherchieren – sich tiefer in den Sachverhalt „einzugraben“. All dies intensiviert das Verständnis für diese besondere Geschichte – für die Welt der antiken Griechen und ihrer Nachbarn.

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