Erschienen beim Penguin Verlag
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Trotz
„Trotzdem Zuhause“. Es ist eine positive Motivation, die hinter dem „Trotz“ steckt, den Tupoka (die Betonung liegt auf der 2. Silbe) Ogette uns erklärt. Die Motivation, dass man zu einer Gesellschaft gehört, weil man dort aufgewachsen ist, Teil einer Gesellschaft ist, dort lebt und seine Familie dort haben möchte, gesehen und akzeptiert werden möchte und vieles mehr. Dann ist es bewunderungswürdig, wenn man den Widerständen „trotzt“. Und das ist anstrengend. Das wurde mir sehr bewusst im Laufe der beeindruckenden Lektüre dieses Buches. Es ist anstrengend und bedeutet immer wieder die Kraft zu finden.
In Schlaglichtern wird uns ein Leben vorgestellt, in dem die Hautfarbe immer eine Rolle spielte. Es ist befremdlich und bedrückend. Bedrückend ist der tägliche Rassismus. Der permanent ist und immer plötzlich in irgendeiner Form übergriffig werden kann. Bedrückend ist die eingeschränkte Freiheit zu Beginn dieses Lebens in der DDR. Eines von beiden würde das Leben schon schwer machen, sich zu entfalten. Aber beides zusammen quadriert sich in seiner Unfreiheit. So ist es gut, dass ihre Mutter mit ihr kurz vor der Wende nach Westberlin zieht.
Tupoka Ogettes Darstellung ihres Lebens, ihres Weges ist aber (und das gilt es zu würdigen) nicht eine Aneinanderreihung von Frustrationen, sondern eines Kindes, Teenagers, einer jungen Erwachsenen, die zumeist ein ganz normales Leben möchte. Sei es beim Kinderspiel, als „Backstreet Boys“-Fan oder als Erwachsene.
Safe Space
Das Buch beginnt bereits bemerkenswert, indem es nicht – wie die meisten Bücher in den ersten Zeilen – für sich mit süffisanten Worten wirbt („Kauf mich!“), sondern mit einer Triggerwarnung. Denn natürlich ist ein solches Leben voller traumatischer Erlebnisse, welche die Autorin psychisch verarbeiten musste und deren Darstellungen natürlich die Leserinnen und Leser, bezogen auf eigene Erfahrungen, „überfallen“ können. So warnt Ogette davor, dass Menschen, durch z.B. schreckliche Erlebnisse bezüglich Rassismus, Sexismus, Essstörungen und anderen Themen, getriggert werden können. Und sofort stellt sich ein Gefühl von Ehrlichkeit und Wahrheit beim Leser ein. Hier wird mit uns gut umgegangen, auch wenn die Geschichte es oft nicht gut mit Tupoku meinte. Genau dies artikuliert sie auch: „Mich verletzlich zu zeigen in einer Welt, die erbarmungslos sein kann, ist alles andere als einfach.“ Respekt davor, dies dann zu schildern und die Welt daran teilhaben zu lassen.
Zutiefst entlarvend
Ogettes Sprache ist herrlich unterhaltsam. Sie ist irgendwo zwischen einem umfänglichen, quirligen, kreativen und bunten Vokabular. Und somit oft überraschend. Ogette liebt es mit der Sprache abwechslungsreich und atmosphärisch zu spielen, so dass allein schon die sprachliche Darstellung einen unterhaltsamen Aspekt hat. Und somit sind dies keine sachlichen, autobiografischen Aufzeichnungen. Dieses Buch wäre sprachlich mehr unter dem Begriff von Belletristik einzuordnen. Darüber hinaus hat es schöne Wendungen, vor allem durch die schlaglichtähnlichen Aneinanderreihungen der Lebensszenen. Ein kreativer Aufbau, der sich nur bedingt chronologisch hält. All dies ist interessant, intelligent und oft zutiefst entlarvend.