BoD
ISBN 978-3-6963-6343-7
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Adressiert an uns alle
Wie schreibt man ein Ratgeberbuch über ein zentrales Thema des Lebens, das jeder/jede so lange wie möglich von sich fernhalten möchte? Ein Thema, das zu den großen Tabus unserer Gesellschaft gehört – einer Gesellschaft, die täglich versucht Vitalität, ewige Jugend und ein aktives Leben in den Mittelpunkt all unserer Aufmerksamkeit und all unserer Interessen zu stellen. Wie nähert man sich dem eigenen Ableben? Wie nähert man sich gedanklich seinem eigenen Tod?
Jasmin Mrugowski und Nadine Opitz geben uns unterhaltsam und sachlich, aber auch mit einer Portion Humor, Witz und freundlichem Sarkasmus eine fabelhafte Antwort auf diese Frage. „Da habt ihr den Salat: … denn jetzt bin ich tot“ ist ein unterhaltsamer, informativer, umsichtiger und auch sensibler Lesegenuss, geschrieben mit der nötigen Empathie. Und für wen? Für uns alle, denn wir alle sollten uns mit unserem Ableben bei Lebzeiten auseinandersetzen, denn unser unausweichliches Sterben hat nicht nur Konsequenzen für uns, sondern auch für unsere Liebsten, für unsere Angehörigen. Was geschieht mit unserem Hab und Gut, unserem letzten Willen und schließlich auch mit uns? Viele Aspekte eröffnen sich da und plötzlich gibt es viel zu durchdenken, sehr klar zu artikulieren und zu äußern, damit wir nicht doch noch im Tod entmündigt werden. Ein sinnvolles und vielseitiges Buch, mit nützlichen Tipps, das die Konsequenzen für alle, die mit unserem Ableben zu tun haben können, einmal vor Augen hält. Endlich einmal ein wirklich nützlicher, am Leben orientierter Ratgeber, den es lohnt durchzuarbeiten. Und Stück für Stück werden uns unsere eigenen Wünsche und Ansichten rund um unseren eigenen Tod, immer deutlicher. All dies wird zu einem guten Anlass dies vielleicht einmal mit unseren engsten Menschen zu besprechen und uns zu artikulieren. Also ein absolut sinnvolles, sehr intelligentes Buch, adressiert an uns alle.
Leitfaden für später
Mrugowskis und Opitz (stets emotionales) Sachbuch gleitet durch die vielen Aspekte, die der Tod mit sich bringt: Der Umgang mit dem Tod in den verschiedenen Kulturen, juristische Hintergründe wie Vollmachten oder testamentarische Festlegungen, die es zu bedenken gilt, die Realität im Hospiz, das Wissen und die Kosten rund um das Beerdigungswesen in unserem Land oder welche Formen der letzten Ruhestätte es gibt und somit die Frage: Was ist möglich? So wird dieses Buch schnell interaktiv und wird in manchen Familien oder Lebensgemeinschaften bestimmt zur Grundlage eines wichtigen Austausches werden. Bei all diesen Aspekten wird stets das Bemühen der Autorinnen deutlich, so nah wie möglich an der Realität zu bleiben, konkrete Tipps, Anregungen und Lösungen zu zeigen.
Dies wird auch darin deutlich, dass die Autorinnen auch die Möglichkeit bedacht haben, wenn vielleicht kein direkter Dialog zurzeit möglich ist, dass man sein Buch personalisieren kann. Dazu gibt das Buch vielfache Möglichkeiten seine Gedanken aufzuschreiben und somit eine Art Leitfaden über seine Wünsche zu diesem Thema zu entwickeln, welcher später sicherlich helfen wird. Eine wunderbare, dezente und kreative Chance für alle, denen es schwerfällt sich zu ihrem Sterben zu äußern. Somit besitzt das Buch also Passagen, in denen man seine Sicht und Wünsche aufschreiben kann. Der Leser wird gefordert, erarbeitet das Buch, bringt sich ins Thema ein und findet so seinen Rahmen und seinen Weg. All dies ist kein Muss, sondern ist Möglichkeit und Anregung.
Sicherheit geben, wenn wir es nicht mehr können
Sprachlich ist das Buch höchst abwechslungsreich, zwischen informativen Sachtexten Literaturtipps, aktuellen Links zu mehr Informationen oder Podcasts. Highlights sind die sehr lebendigen Interviews zu Themen rund um den Tod, mit berufsbedingten Fachleuten und Menschen, die in verschiedenen Rollen damit zu tun hatten. All dies spiegelt die Vielfältigkeit des Themas wider. Denn es gibt so viele Aspekte, die es besser zu regeln gilt, bevor wir nicht mehr voll entscheiden können, da wir dann vielleicht nicht mehr psychisch oder physisch in der Lage sind.
Eine wunderbare Lösung, sich dem oft als heikel empfundenen Thema zu nähern, ist die farbige, comicartige Gestaltung des Buches. Eine gute Leichtigkeit, fern ab von schwarz-weiß, vom tristen Trauerflor unserer Kultur. Dies war eine gute Entscheidung, sich dem Thema zu öffnen.
Es bleibt, dass natürlich die Auseinandersetzung mit dem Tod, immer eine Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit ist und somit immer etwas zutiefst Philosophisches und Psychologisches in sich trägt, aber auch handfeste Fakten und Handlungen. Genau dies haben auch die Autorinnen bedacht und das tut dem Thema „durch die Bank hinweg“ sehr gut. Wir müssen lernen mit allen möglichen Beteiligten unseres Todes darüber zu sprechen. Ein absolut besonders Sachbuch, das – so habe ich es selbst erlebt – der Auftakt eines wichtigen Dialogs mit unserer Umgebung sein kann und helfen kann, unseren Angehörigen Sicherheit zu geben, wenn wir es nicht mehr können.