Das Jahr 1986 war ein Jahr voller weltgeschichtlicher Katastrophen. Für mich war es das Jahr, in dem ich erstmals als Schüler des 10. Schuljahrs auf Abschlussfahrt die DDR und Ost-Berlin kennenlernte. Das war alles sehr bedrückend und beklemmend. Dieses Gefühl stellte sich nun direkt wieder ein, als ich nun durch Katrin Reisers Kriminalroman „Der Fall Fechtner“ wieder in diese besondere zeitliche Situation hineingeworfen wurde. Reisers Werk bietet einen wundervollen Zugang zu einem Teil der deutsch-deutschen Geschichte jener Zeit, den es nach wie vor gilt aufzuarbeiten, denn so viele Familiengeschichten wurde durch die Teilung in zwei sehr verschiedene Staaten durcheinandergewirbelt. Aber das Buch ist mehr als ein Roman (wie es auf dem Cover betitelt wird), es ist die Aufarbeitung der sehr persönlichen Geschichte der Autorin. Wie im Buch, ist Reisers Vater 1986 unter seltsamen Umständen in der DDR verstorben. Dies ist also nun ihr literarischer Umgang mit dieser Geschichte. Heraus kam ein Werk, dessen Anspruch – sich nämlich einer möglichen Realität anzunähern – man deutlich durchweg anmerkt.