Normandie 1944 – Die Entscheidungsschlacht um Europa | Klaus-Jürgen Bremm

Erschienen im wbg-Theiss-Verlag
Rezensionsexemplar

Bremm, ein Profi!

Klaus-Jürgen Bremm ist ein Profi in Bezug auf Darstellung von militärisch-historischen Wendepunkten. Insofern manövriert er uns geschickt und immer mit dem richtigen Faktenwissen zum richtigen Zeitpunkt des Buches durch eine chaotische Geschichte. Denn wie General Patton sagte: „Krieg das völlige Chaos!“ Und das bedeutet für die rückblickende Darstellung, dass sie besonders gut und übersichtlich organisiert werden muss. Genau das beherrscht Klaus-Jürgen Bremm!
Ergänzt wird die Darstellung der Landung im Buch zeitweise durch detailliertes Kartenmaterial, das hilft, die Planung, Durchführung und möglichen Fehler der Operation besser zu verstehen. Alles wird so geografisch weitaus verständlicher – sprich nachvollziehbarer.

Bremms Aufschlag

Bremms Aufschlag beginnt mit der fast unspektakulären Einnahme Paris am 14. Juni 1940 und Hitlers Besuch 14 Tage später. Gleichzeitig zieht sich das britische Expeditionsheer – mit dem besonderen Glück in Dünkirchen – zurück.
Er macht deutlich, dass England alleine – mit den restlichen Truppen Frankreichs – erst einmal wenig erfolgreich Deutschland entgegentreten konnte. Und somit war die Gefahr der Invasion der englischen Britischen Insel auch real.

Bremm klopft zu Beginn des Buches die militärischen Voraussetzungen /Zustände Frankreichs, Englands, Deutschlands und der USA vor der Invasion ab. Er gibt so einen umfassenden Überblick, wer auf den Stränden der Normandie in welcher Verfassung aufeinandertrifft.

Englands zögern

Erst verstärkt durch die USA und durch den Druck der Sowjetunion in Teheran eine westliche Front aufzumachen, überwinden die Engländer die Angst vor einem zweiten Gallipoli. Aber ausgerechnet die USA, die schnell sehr positiv zu einer Landung in Frankreich stehen, werden den größten Blutzoll dort tragen.
Auf der anderen Seite der Front sehen wir – im Gegensatz zum Mythos über den Wüstenfuchs und seinem Atlantikwall den Bremm relativiert – die Zerstrittenheit in der deutschen Heeresleitung und generell mit und zwischen den anderen deutschen Waffengattungen. Eine einheitlichen Verteidigungsstrategie gibt hier nicht. Schlechte Kompromisslösungen heben klare Pläne für die Verteidigung auf. 


OVERLORD

Es folgt die Darstellung der Vorbereitung und vor allem der internen alliierten Auseinandersetzung zur Operation OVERLORD, deren ersten Tag später als D-Day in die Weltgeschichte eingehen sollte. Die Dramatik des Buches steigert sich nochmals, als die Alliierten ihren Überraschungseffekt in der Nacht vor der Invasion verspielen. Die Luftlandetruppen hatten die Deutschen – trotz schlechten Wetters – ahnen lassen, dass die Invasion bevorstand.
Sachlich, aber in seiner Dramatik und Tragik nicht unterkühlt, schildert Bremm die Schrecken und Verluste der Amerikaner am Omaha Beach. Alles in allem diesen Tatsachen sehr angemessen, spannend, aber nie reißerisch oder voyeuristisch.

Bremms Buch geht weit über die Landung in der Normandie hinaus (wie z.B. die „Heimkehr“ des Generals de Gaulle, die Auswirkungen des Attentats auf Hitler am 20. Juli oder die Einnahme von Paris). Es stellt also auch den Nachhall dieses Tages für den weiteren Kriegsverlauf im Westen dar. Die Darstellung des genutzten Quellenmaterials vervollständigt dieses gelungen Werk.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben