Gräber, Grüfte und Gebeine | Jungklaus, Lippok, Krebs, Malliaris (Hrsg.)

Erschienen im wgb-Verlag
Rezensionsexemplar

Eine historische Reise der Grabstätten, Beerdigungsriten und Totenkulte


Wer denkt schon gerne an den Tod? Oder erst recht daran, was mit ihm selbst beim Beerdigungsritus geschieht! Dennoch fasziniert das Morbide. Der Tod inspiriert – ob religiös oder spirituell, unsere Fantasie oder Kreativität. Düster, dunkel sind die Gruften, Gräber – voller Vorstellungen von Verfall, Wiedergängern und der Erwartung einer Auferstehung. Und so erging es auch unseren Vorfahren! Wir lernen durch die Beerdigungsriten der Vergangenheit ihre Sicht auf den Tod kennen. Aus den letzten ca. 130 000 Jahren besitzen wir Funde von Bestattungen von Menschen. Sie verraten vieles über die Menschen jener Zeiten, ihre religiösen Einstellungen, über Kulturen und vor allem etwas darüber, was vielleicht den Menschen ausmacht: Stirbt jemand, wird er uns – trotz Leblosigkeit – nicht egal! 

Bettina Jungklaus, Juliane Lippok, Daniel Krebs und Michael Malliars haben nun ein Buch herausgebracht, was uns die Darstellung und neusten Erkenntnisse der Archäologie in Deutschland, dieses „Kümmern“ der Lebenden um ihre Verstorbenen, in den letzten, rund 500 Jahren in Deutschland auf spannende, informative Art anschaulich erklärt.

Mode prägte Bestattung

Spätestens seit die Erdbestattung sich immer weiter durch die Ausbreitung des Christentums in Europa durchsetzte, haben wir mehr Erkenntnis über diesen Bereich gewonnen. So stellen wir heute z.B. fest, dass das “letzte Möbel” den Moden seiner Zeit unterlag. Sarg ist noch lange nicht gleich Sarg. Und natürlich blieb – nach der Zeit des Mittelalters – die Frage: Was soll der Tote auf seinem letzten Weg tragen? Hier war das Leichentuch zuerst die Norm. Jedoch wollte der Adel – der Trendsetter in Sachen Bestattung – sich natürlich deutlich im Laufe der Zeit abgrenzen. Pracht und Prunk sollten auch im Sarg gezeigt werden. Auch in der Ortswahl der letzten Ruhestätte zeigten sich die sozialen Unterschiede! War man adelig und reich, durfte man bei den Heiligen in der Kirche ruhen. War man sehr, sehr arm, so reichte es gerade noch für die Friedhofsmauer. Die Mauer, die durch ihre Funktion der Einfriedung dem Platz seinen Namen gab.

Auch Gegenstände, ob religiös oder aus dem Volks- und Aberglauben entnommen, wurden oftmals mit ins Grab gegeben. Viele diese Gegenstände werfen aber auch nach wie vor Fragen auf.

Archäologie der Beerdigten – ein vielfältiger Blick!

Dieses Buch ist ein interdisziplinäres Buch, denn es geht nicht nur um Archäologie, sondern auch um die Bereiche Anthropologie, Kunstgeschichte, Geschichte, Ethnologie, Theologie, Kostümkunde und darüber hinaus! Daraus ergibt sich auch die Vielzahl an Autoren im Buch, die durch ihren oft sehr verschieden Schreibstil ein sehr abwechslungsreiches Werk haben entstehen lassen. Keine Wissenschaft kann heutzutage mehr mit Scheuklappen arbeiten. Und so erhalten wir hier sehr umfassende Einblicke!

Auch muss deutlich erwähnt werden, dass es hier nicht nur um den Tod dieser Menschen geht, sondern auch darum was ihre Skelette und Mumien uns über ihr Leben, ihre Ernährung, Krankheiten, Unfälle, Lebensumstände und- gewohnheiten etc. erzählen können! 

Plastischer Blick in die Totenwelt

Es macht Spaß in diesem Buch den Archäologen und anderen Wissenschaftlern quasi über die Schulter zu schauen – bei ihren zeitweise etwas schaurigen Funden auf diese Art „mit dabei sein“ zu können. Konkret werden die Erkenntnisse in den Beiträgen der verschiedenen Autoren immer wieder z.B. an den Untersuchungen der Grüfte der Parochialkirche in Berlin- Cölln, der Hauptkirche von Wolfenbüttel oder anderen dargestellt. Klasse – das gilt es in diesem Zusammenhang zu erwähnen- ist die Bebilderung bei diesem großformatigen Werk. Das macht das außergewöhnliche Thema der Totenwelt auf positive Art plastischer. 

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