Feuerland | Peter Neumann

Erschienen im Siedler-Verlag
(Rezensionsexemplar)

Ein gutes Buch gegen den Trend!


Ich denke, wir alle lieben und brauchen Utopien – die Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine bessere Welt. Und doch sind es die oftmals frustrierenden Dystrophien, die in den letzten Jahren die Bücherwelt dominierten. Sehen wir die Zukunft nur negativ? Peter Neumann setzt dem ein ganzes Sachbuch entgegen! Erinnert woran wir vielleicht eher arbeiten sollten: Weniger ans Aufgeben denken und Scheitern glauben, sondern mehr an ein kreatives “besseres Schaffen”. 

Neumann erklärt die Zeit von 1883 bis 2020 zum Jahrhundert der Utopien. Den Ausbruch des Krakataus 1883, dessen Erschütterung bis nach Deutschland zu spüren war, gilt ihm hier als eine Art Himmelszeig, dass sich die Welt durch neues Denken ändern wird. 

Episodenhaft durch die Geschichte der Vordenker


Episodenhaft werden wir zu Punkten der Geschichte geführt, in denen so manches bekanntere oder unbekanntere Duo für ihre Utopien stehen. Gezeigt werden Utopien, die das Jetzt überwinden sollten, indem sie es entlarvten oder ihm den Spiegel vorhielten – um so eine bessere Welt zu schaffen. Keine Erzählungen von einer Insel – einem besseren Land. Viele dieser Menschen – Freigeister, Künstler – lebten Individualität, fern ab von Rollenbildern und Erwartungen ihrer Zeit. Sie lebten und strebten nach ihren Utopien – viele zerbrachen auch, aber sie hinterließen neue Sichtweisen, die die Welt änderten, öffneten, erweiterten.

Ein Streifzug durch die intellektuelle Avantgarde 

Peter Neumann zeigt uns viele Personen dieser intellektuellen Avantgarde in ihrer Zeit. Sie sind Künstler, Literaten, Freigeister – Wegbereiter einer neuen Zeit. In ihrer Zeit oft Außenseiter – mal höchst erfolgreich, mal scheitern sie. Wir erfahren viel über ungewöhnliche menschliche Beziehungen zwischen ihnen – oft zeigt sich ein Geflecht der Denker. Populäre Duos, wie das Mit- und Gegeneinander der Brüder Mann oder Nietzsche und Wagner, aber auch viele unbekanntere, wie zwischen Wittgenstein und Trakl, die sich tragischerweise nicht (mehr) trafen. Zeitweise verknüpft der Autor aber auch über die Zeit hinweg Handeln und Denken berühmter und manchmal weniger berühmter Persönlichkeiten. Neumann schafft bei allen, dass wir – durch seine anekdotenhafte Erzählweise – mehr „persönliches“ über diese Persönlichkeiten erfahren.


Das verbindende Element der Utopien

Es wird deutlich, dass es sich lohnt für “seine” Utopie zu leben, nämlich dadurch verändert man etwas – man strebt zum Besseren. Im Rahmen der Vorstellung von Ernst Bloch (dessen Verknüpfung mit Max Weber er darstellt) wird dies vielleicht etwas deutlicher, wenn er bei Blochs Werk ausführt: „Die Utopien suchen nach dem Wahren und Wirklichen dort, wo das bloß Tatsächliche verschwindet.“
Ein Buch, dass den Leser ernstnimmt und manchmal fordert. Man merkt im – zeitweise sprunghaften – Schreibstil deutlich den Philosophen, der – wie assoziativ – zeitweise von hier nach dort “springt”. Das mag vielleicht im ersten Blick mal oberflächlich und mal zerfahren wirken, aber dadurch werden (ohne ausschweifend zu werden) sehr pointiert die metaphorischen Dimensionen der historischen Anekdoten dargestellt. Beziehungen werden klar, Persönlichkeiten werden klar. Deren Utopien und Vorstellung sehr verständlich.

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