Erschienen im Gmeiner-Verlag
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Menschen aus dem Alltag
Eine wilde, bunte Mischung von Menschen geht auf einen gemeinsamen Survival- Tripp tief in den Wald. Eine vierköpfige Familie, drei Influencerinnen, ein schwules Pärchen und einige Freunde und Einzelgänger. Aber es erscheint, dass nicht alle wirklich realistisch einschätzen, was ihnen bei diesem gebuchten Abenteuer unter der Leitung des ehemaligen Soldaten Toni Fassbinder, bevorsteht. Der Guide ist ambitioniert, aber kann er überhaupt eine solche Gruppe leiten? Er hat ein starkes Trauma, das ihn während der gemeinsamen Zeit immer wieder einholt. Und es bleibt die Frage, sind wirklich alle freiwillig hier? Bei einigen scheint die Motivation zur Tour nicht besonders hoch. Einige werden bald aufgeben.
Dann passiert ein Mord und das Urgestein Kommissar Dreitürer – ein Original mit original schwäbischem Akzent – sieht die ganze Gruppe unter Verdacht.
Claire Edwards schreibt einen soliden Krimi – flüssig, atmosphärisch und vor allem mit authentisch wirkenden Personen, die wir so auch in unserem Alltagsleben kennenlernen könnten. Die Frage ist, ob wir es wollten.
Titel und Cover wegdenken
Die Autorin schafft es schon zu Beginn eine Atmosphäre aufzubauen, die uns schlimmes ahnen lässt. Diese geht weit über das hinaus, was wir normalerweise unter der Überschrift eines „Regionalkrimis“ erwarten. Cover und Name („Kampf gegen die Alb“) sollten wir schnell hinter uns lassen, denn das Buch hat mehr zu bieten als das typische Image dieses Genre erahnen lässt. Inhaltlich wird – glücklicherweise – schnell klar, dass wir hier über eine ZDF-Vorabendserie, im Rahmen eines vollkommen vorhersehbaren schlechten Cosy-Crimes, hinausgehen. Die Autorin spielt zwar mit Klischees, überstrapaziert diese aber nicht. Und es gibt Wendungen, die nicht schon am Horizont zu erkennen sind. Auch entwickeln sich die Personen zu mehr, als nur pauschalisierenden Profilen. Es wäre wünschenswert, wenn man sich – um einem solchen Werk gerecht zu werde – zukünftig von der Wahl solcher Titel und Cover verabschiedet.
In Bayern
Mit der Ortswahl Nördlingen sind wir natürlich in Bayern, auf der schwäbischen Alb. Somit muss man sich auf den sprachlichen Akzent einlassen. Vor allem, wenn der ermittelnde Kommissar Sepp Dreithaler spricht. Die Verschriftlichung seiner Aussagen mögen für einen Menschen nördlich von Bayern erst einmal seltsam wirken, aber sie sind (selbst für einen Menschen aus NRW) klar zugänglich und fördern das Atmosphärische – man muss sich nur drauf einlassen. All dies fördert seine derb wirkende Art und Weise und lässt den gewissen Charme erkennen.
Mit der Idee des Zeit- und Ortssprungs in die Vergangenheit des Guides Toni Fassbinder in Kunduz/Afghanistan, öffnet sich glücklicherweise die Geschichte und verlässt den „normalen“ Rahmen eines Regionalkrimis. Das tut dem Werk sehr gut und gibt ihm deutlich etwas Tiefe.