erschienen im Diogenes Verlag
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Es geht um mehr!
Wer die Vorstellung zu diesem Buch hat, dass es um die Geschichte des Werkstoffs „Papyrus“ geht, dem sei gesagt: Es geht in diesem Buch um viel, viel mehr! Nämlich das, wofür „Papyrus“ steht: um Bücher, die Geschichte und Geschichten von Büchern und wie diese unsere Weltgeschichte mitgeprägt haben. Denn für Bücher und das, wofür sie stehen, wurden Feldzüge und Kriege geführt. Sie waren Inspiration, Antrieb, Start und Ziel. Man darf sie nicht unterschätzen. Eine Geschichte der Menschheit, ist auch eine Geschichte ihrer Bücher und ihrer Verhältnisse zu ihnen. Eine Geschichte von z.B. Bibliotheken, Archiven und Büchereien, von Schriften und dem Lesen, von den vielen Schriftarten, von der Macht des Wissens und so vielen Aspekten, die all dies begleiten.
Vallejos Reise in die Vergangenheit startet an dem Platz der Geschichte, den wohl jeder bibliophile Mensch in einer Zeitreise gerne besuchen würde: Der Bibliothek von Alexandria. Und es geht nicht nur um den Ort – Nein, es geht um die Idee dazu. Die Idee, alle Bücher der Welt zusammenzubringen. Vallejo zeigt, dass schon vor über 2000 Jahren den Herrschenden die Kraft und Macht von Büchern bewusst war.
Vorbotin unserer Gesellschaft
Und so kommt es zu herrlichen Verknüpfungen. Vordergründig geht es hier um die Wiege unserer Kultur, um die griechische und römische Antike. Ausgehend von der Bibliothek von Alexandria geht es aber dann z.B. zu Borges „Die Bibliothek von Babel“, zum Vorgang und der Technik des Lesens von Schriftrollen, der Entwicklung von dem Was, Wie oder Worauf geschrieben wurde, bis zur Organisation des World Wide Web. Denn all dies ist miteinander verwandt, all dies steht in seinen Entwicklungen in direkten Verknüpfungen und Beziehungen zueinander.
So heißt es dort so wunderbar: „Die Bibliothek von Alexandria wurde nicht nur dazu geboren, der Vergangenheit … Zuflucht zu bieten. Sie war auch Vorbotin einer Gesellschaft, die wir als globalisiert ansehen können, so wie die unsere.“ So ist „Papyrus“ ein Buch über die Vergangenheit, aber immer mit ganz viel Bezug zu uns und auch zu unserer Zukunft.
Ein Werk für alle Buchbegeisterten
„Papyrus“ ist bei weitem kein stringentes Sachbuch. Es ist eigenwillig, wie sein Thema. Es fließt zweitweise zwischen sachlicher Erzählung und assoziativen Vergleichen zur Geschichte, zu bekannten und unbekannten Literatur- oder auch mal Filmwerken. So geht es der Autorin oft mehr darum wie Orte, Personen wirkten, als der trüben Darstellung der Wirklichkeit.
Ein wunderbares Werk für alle Buchbegeisterten, für alle, die von Büchern fasziniert sind und für die, die versuchen, das Phänomen „Buch“ mehr, umfassender und vielschichtiger zu verstehen.