Die Türken vor Wien | Klaus-Jürgen Bremm

Erschienen im wgbTheiss-Verlag | Rezensionsexemplar


Großes Thema auf den Punkt!

Klaus-Jürgen Bremms Werk „Die Türken vor Wien“ schafft es – in einer bewunderungswürdigen Reduktion aufs Wesentliche – weit über seinen Titel hinauszugehen! Der Untertitel „Zwei Weltmächte im Ringen um Europa“ verrät viel mehr das große Projekt des Autors: Hier geht es nicht nur um die Darstellung einer Belagerung, einer Schlacht, sondern umfassend um die Entwicklung zwischen dem christlichen Europa und dem Osmanischen Reich in den beiden Jahrhunderten zuvor. Dies weiß Bremm genüsslich zu erzählen! Der geschichtsinteressierte Leser wird auf eine schlüssige und spannende Zeitreise geschickt.

Hier geht es nicht nur um Wien

Bremm schildert das (zweite) ringen um Wien als eine Art historischen Höhepunkt, einer Entwicklung, die sich eigentlich seit dem Fall von Konstantinopel als Ouvertüre 1453 sukzessive anbahnt. Der Leser wird dazu nicht nur auf eine Zeitreise, sondern auch auf eine Reise quer durch den Mittelmeerraum geschickt. Tunis, Algier, Toulon, Malta sind einige der spannenden Zwischenstationen, die es gilt zu verstehen – deren Ereignisse man kennen muss, um die Wichtigkeit der Schlacht um Wien – vor allem für die damals daran beteiligten Personen – später verstehen zu können. Bremm schafft es immer wieder die Scharmützel, militärischen Hakenschläge und politischen Auswirkungen so spannend zu erzählen, dass das 400seitige Werk (plus Quellenverzeichnis) am Leser schnell vorbei rauscht.

Die Türken vor Wien

Wir bekommen Antworten!

Zielgruppe dieses Werkes ist die Menge der wissbegierigen Geschichtsfans. Diese werden hier fündig! Aber auch die Leserschaft, die sich vollkommen neu mit der frühen Neuzeit, der Renaissance und dem Ringen der Macht zwischen den islamischen Sultanen am Bosporus und den Königen und Kaisern im christlichen Europa auseinandersetzen möchten, erhält hier Struktur und Übersicht. Die Menge der Informationen lädt am Ende des Buches dazu ein, es mehrfach zu lesen – wie das Anschauen eines guten Filmes!

Breit aufgestellt!

Das Buch ist also breit aufgestellt, schildert nicht nur die Handlungen, sondern skizziert immer die wichtigsten Protagonisten, so dass ihre Art, ihr Naturell, ihr Wesen  verständlich sind. So fiebern wir mit – mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Ein Buch, das auch auf dem sensiblen Gebiet der Religion sachlich bleibt, Dinge darstellt, ohne irgendeine Seite hervorzuheben oder zu werten. Schön sind auch kurze Seitenblick auf Randpersonen dieses Konflikts – als Beispiel Luthers Blick auf die „Gefahr der Türken“.

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