Erschienen bei C.H.Beck
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Wir ziehen wieder los!
Wir ziehen wieder mit Dan Jones in ein Geschichtsabenteuer! Wohl kaum jemand schildert Geschichte so herrlich wie einen Abenteuerroman, wie der aus Film- und Fernsehproduktionen der BBC bekannte Autor Dan Jones. Jones hat die fabelhafte Gradwanderung zwischen seriöser Geschichtsschreibung und packender Abenteuererzählung zu seinem Marken- und Qualitätszeichen gemacht. Das ist plastisch, schnell, voller Action, bunt und voller unerwarteter Wendungen. Ja, so entstaubt und wunderbar emotional kann Geschichte sein! Wir tauchen ab ins hohe Mittelalter, erleben Reisen und Schicksale oder fahren – wie in diesem Buch über den so sagenhaften Orden der Templer – in den Nahen Osten, die Levante. Es ist immer wieder spannend zu sehen, welche beeindruckenden Quellen Jones gefunden hat. Große Teile sind Reiseberichte jener Zeit, die auf uns doch oft so wirken, als hätten ihre Verfasser uns sagen wollen, dass sie eine vollkommen neue Welt gefunden hätten. Und ihre Faszination, ihr Entdeckergeist sind bis heute in ihren Zeilen spürbar.
Erfolgreich zur Macht und dramatisch zum Niedergang
Eine kleine, unbedeutende und fast mittellose, zusammengewürfelte Gruppe gründet 1119 den Orden der Templer, oder besser die „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“. Dieser Orden soll zur mächtigsten und reichsten Organisation innerhalb der römischen-christlichen Kirche werden. Doch der Start ist eine lose Truppe von Kreuzfahrern, die die Pilger beschützen und Krankenversorgung begehen. Dem Prior des Klosters des Heiligen Grabs schwören sie Gehorsam. Sie sind keine Kleriker, keine Mönche, geloben aber im Zölibat und in persönlicher Armut zu leben. Sie sind Krieger, Kämpfer, Ritter. Sie sind Soldaten im roten Zeichen Christi. So werden sie zum Ideal jener Zeit – Vorbild und Helden. Sie vereinen strikten Glauben mit der Bereitschaft Märtyrer zu werden. Ihre Geschichte ist auch die Geschichte einer guten Marketingstrategie.
Ab 1137 sind sie für die Verteidigung der Stadt Jerusalem verantwortlich. Und immer noch sind sie von Almosen abhängig. Ein langer Weg zum mächtigsten und reichsten Ritterorden des Mittelalters.
Jones gibt uns einen Überblick über Lebensweisen, Selbstverständnis und Besitzungen der Templer. All dies zeigt die große Unabhängigkeit, die der Orden innerhalb der römischen Kirche genoss. Schenkungen, vor allem in England, Frankreich und Spanien, sowie langsam über ganz Europa, Mythen rund um die so übermächtig wirkenden Ritter, lassen den Erfolgsweg – trotz vieler Rückschläge – übermächtig erscheinen. Ihr Niedergang, die Zerstörung ihres Ordens 1307 bis 1314, erscheint dagegen plötzlich und nicht erwartbar.
… in einer fernen Welt!
Die Geschichte der Templer ist wie gemacht für den Geschichtenerzähler Dan Jones. Legenden umwoben, vom langen Aufstieg, bis zum tiefen Fall. All dies mit viel Blut in einer uns doch so fernen Welt. Und am Schluss die Frage, was blieb? Wir fühlen uns wie an den abendlichen Lagerfeuern des Orients. Ich bin mir sicher, wenn einer der großen Streaminganbieter diese Geschichte auf diese Art, auf die Dan-Jones-Art, liest, könnte eine fabelhafte Serie daraus werden. Die Geschichte der Templer hat all dies in sich.
Geschichte soll spannend sein, darf Spaß machen. Jones hat vor allem das menschliche im Fokus und dies niveauvoll, ohne von „Oben“ zu dozieren. Und so kann ich wieder alle Geschichtsbegeisterten und auch denen, die es bisher noch nicht waren, dieses intensive Leseerlebnis dieses Ausnahmeautoren empfehlen.