1979 – Jäger und Gejagte | Val McDermid

Erschienen im Knaur-Verlag

Perfekte Zeitreise!

Einmal Zeitreise bitte!
Ziel? Äh, 1979! 
Und schon haben wir unsere Reise in die Zeit ganz knapp vor der Thatcher-Ära – Winter 78/79! In die Zeit von David Bowie und Burt Reynolds! Ein harter Winter. Ich war zwar nicht dort – in Edinburgh (ich war als Kind in London 1979) – aber es fühlt sich so an. Die Typen vor meinem geistigen Auge sehen so aus, wie einst. Val McDermids Zeitreise funktioniert – fühlt sich real an – voller orange-braunem Design, Nebel und “Die Profis” …. Nichts reißt einen mehr aus solch einem Film als ein kleiner Anachronismus. Denn ich gebe zu: Darauf reagiere ich zutiefst allergisch – so etwas würde die gesamte Illusion einstürzen lassen. Doch das geschieht hier nicht! Vielmehr erleben wir ein literarisches Mosaik aus Bildern, Typen, Moden und Themen, das das Bild von 1979 zusammensetzt. 


Und wie ist Allie Burns?

Mit Allie Burns präsentiert uns die schottische Krimiexpertin Val McDermid eine doch sehr moderne Journalistin, die sich in der Männerdomäne der Redaktionen einer Tageszeitung durchbeißt und Stück für Stück durchsetzt. Man merkt, dass es bei diesem ersten Band darum geht, dass wir Allie kennenlernen sollen – lernen sollen sie einzuschätzen. Allie ist eine Überzeugungstäterin in Sachen Journalismus. Und somit bei den leichten Themen weit unter ihren Fähigkeiten. Das merkt auch ihr Umfeld immer mehr. Allie bringt diesen Kampf als Frau in der Welt der Printmedien auf den Punkt: “Ich bin eine Frau in einer Welt voller Neandertaler. Jeden einzelnen Tag muss ich mir mit jemanden ein Blickduell liefern, nur um zu beweisen, dass ich das Recht habe hier zu sein” (Seite 136). Wir lesen also ein Buch das 1979 spielt und uns auch gleichzeitig absolut aktuell um die Ecke kommt. Diese Gesellschaft haben wir nicht mehr, aber sind wir so viel weiter?

Val McDermid zeigt uns doch noch einmal deutlich, wie lange es bis zur MeToo-Debatte dauerte oder z.B., wie dramatisch intolerant der Umgang mit Homosexualität dort war. 

Mehr als „nur“ ein Krimi!

Das ist mehr als nur ein Krimi. Val McDermid hat hier wirklich etwas Neues angepackt – es sind wenig Parallelen zu ihrem bisherigen Werk zu erkennen. Außer vielleicht, dass sie weiß, wie man den Leser im Buch auf “Trab” hält. Das Buch wirkt an vielen Stellen eher wie eine moderne Netflix-Serie und weniger wie ein Krimi mit “dem einen unerklärlichen Mord” zu Beginn des Buches. Dies kennt z.B. dieses Buch gar nicht!

Die nächsten Bücher der Serie sind angekündigt. Es heißt, dass es in Schritten von 10 Jahren nach 1979 weiter gehen soll. Ein besonderes Projekt also. Ganz besonderes Highlight– fern ab der Geschichte – ist Val McDermids Top 40 Liste am Ende des Werks, mit Top-Songs aus 1979. Das bringt dann absolut die Atmosphäre auf den Punkt! Thumbs up!

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