erschienen bei Kiepenheuer und Witsch
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Vorsicht Satire …
… und alles ist erlaubt! Nichts muss und bitte, bitte nehmen wir das hier alles nicht zu ernst: Team Wirtschaft oder Team Ökologie? Für Konservative scheint sich diese Frage immer noch zu stellen. Und für Karsten Richter, der mehr Opportunist als Idealist ist, ist die Antwort eigentlich schon gesetzt: „Karriere!“
Doch zur Geschichte und zum Beginn seines persönlichen Dramas: Karsten Richter soll Minister für Wirtschaft und Energie einer (fiktiven) konservativen Regierung im Anschluss an die Ampelregierung werden. Doch wenige Tage davor startet seine sehr resolute Mutter eine Kampagne – eine Kampagne gegen ihn. Hashtag ihrer Kampagne: „Mein Sohn Karsten – die Öko-Sau“. Da tut einem der karrierebewusste Sohn schon fast leid, bevor das Buch richtig begonnen hat.
Doch irgendwie hat Karsten Richter plötzlich wieder das Glück auf seiner Seite. Das Schicksal lässt die Geschichte plötzlich in vollkommen andere Bahnen laufen und Karsten bleibt oben auf. Aber die Geschichte mit seiner Mutter, ist nicht die einzige Baustelle seines Lebens während seiner ersten Tage im Amt.
„Aber – das ist kein deutsches Wort.“
Wolfgang Schorlaus Satire ist ein deutlicher Seitenhieb auf die amtierende Bundesregierung. Ein Seitenhieb auf einen Konservatismus, der eigentlich so schnell wie möglich wieder alle alternative Energiepolitik zurück auf „Fossil“ stellen möchte. Karsten erinnert zwar nicht direkt an die jetzige Ministerin Frau Reiche, aber er verkörpert deutlich das Dilemma eines konservativen Politikers, zwischen seiner Abhängigkeit von Wirtschaftslobbyisten und -bossen auf der einen Seite und dem Versuch von den Menschen gemocht zu werden, auf der anderen Seite (Anmerkung Textopfer: Eigentlich erinnert er mich viel mehr an Markus Söder). Wie belügt man das Volk dann? Vor allem, wenn die eigene Mutter zum größten Problem wird?
Ein lustiges kleines, aktuelles Buch (ca. 150 Seiten). Wunderbar entlarvend sind z.B. die anglistischen Wortspiele zur Greenwashing-Tarnung, um von der eigenen rückwärtsgewandten Klimapolitik abzulenken. Das klingt rhetorisch punktgenau und ist sehr gut aus dem wirtschaftsliberalen Vokabular entliehen. Deutlich wird auch Schorlaus eigenes politisches Lager, denn oft ist ihm wichtig, die Wirtschaftspolitik des einstigen Ministers Harbeck, doch noch einmal als vernünftig darzustellen.
Inhaltstief auch das Zitat des Protagonisten: „Aber – das ist kein deutsches Wort.“
Unterhaltsam, kurzweilig und wer skurile Geschichten mag, ist hier genau richtig.