erschienen bei dtv
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Ein Name wird zum Begriff: Cäsar
Mit seinem zweiten Band seiner Romanbiografie über Julius Cäsar „Rom sei verflucht“, hat der spanische Professor Santiago Posteguillo, ein sehr beeindruckendes Werk verfasst. Und für alle, die direkt fragen: Ja, man kann diesen (in Qualität und Quantität) umfangreichen Roman (von über 800 Seiten) auch dann lesen, wenn man nicht den ersten Band gelesen hat, da der Autor uns einen geschickten Rück- und Überblick auf den ersten Seiten über die Grundzüge des ersten Bands bietet. Posteguillos Werk wirkt – trotz seiner so großen Verschiedenheit – inhaltlich, wie ein Gegenpol zur großen Cicero-Trilogie von Robert Harris, denn wir sehen nun mehr durch die Brille des großen Cicero Rivalen: Julius Gaius Cäsar. Aber natürlich sind aufgrund der Charaktere und der Lebensgeschichten die Schwerpunkte der Romane sehr verschieden (erst recht der Erzählstil). Während bei Cicero die Politik, das strategischen Vorgehen im Senat und bei Gericht im Mittelpunkt stand, geht es in Cäsars Leben natürlich um seine militärische Laufbahn, das Ringen mit anderen militärischen und politischen Führern, aber vor allem um den Aufstieg zum mächtigsten und vielleicht charismatischen Politiker Roms. Sein Name wird nach ihm für tausende von Jahren für eine solche politische Macht stehen, sei es als Begriff Cäsar, Kaiser oder Zar. Und Santiago Posteguillo schafft es uns diesen Menschen, dieses Phänomen, sehr menschlich nahezubringen.
Vorlage für eine kommende Netflix-Serie
„Rom sei verflucht“ besticht durch die sehr gute Recherche und literarisch wunderbar – spannend, wie ein Actionfilm – erzählte Aufarbeitung, der bekannten Quellenlage. Oft wirkt Posteguillos Roman wie eine Vorlage für eine kommende Netflix-Serie.
Beeindruckend ist auch sein Mut, mit dem er Verläufe der Geschichte, die heute im Dunkeln liegen und nicht mehr zu finden sind, sehr eigenwillig, eigenständig, aber klar logisch, weiterdenkt. Das wird neue Diskussionen bei den Fachleuten mit angeblichen Interpretationshoheiten aufkommen lassen. Aber dieser andere Blick auf Geschichte, macht sie gerade so spannend.
Posteguillo hilft uns vielfältig Überblick über die große Geschichte Cäsars zu behalten. In diesem Band sind es die Aufstiegsjahre 76 v. Chr. bis 58 v. Chr. Zum besseren Verständnis der vielen Personen hat der Autor dem Roman eine gut sortierte Namensliste vorausgesetzt. Im hinteren Teil befindet sich ein Glossar, so dass auch Menschen ohne oder nur mit geringen Lateinkenntnisse, Begrifflichkeiten gut verstehen können. All dies hilft der großen Geschichte Cäsars näherzukommen, den wir alle aus dem Geschichtsunterrichts kennen, dessen vielfältiges, buntes, auf so vielfältige Art abenteuerliches Leben jedoch nur wenigen bewusst ist.
Ein geschickter Autor
Als ich den nun zweiten Band des biografischen Cäsar-Romans begann, war ich fest der Meinung, dass mich (nach der Lektüre des ersten Teils) wenig überraschen könnte. Aber von Seite zu Seite überzeugte mich Posteguillo mit seinem Werk mehr und mehr – noch mehr als sein erster Teil. Dies ist keine bloße Aneinanderreihung und Nacherzählung der militärischen und politischen Siege Cäsars. Nein, indem der Autor geschickt zwischen den Schauplätzen und den handelnden Personen wechselt, zeigt er die oft stattfindende Parallelität, der uns bekannten Geschehnissen und somit werden die Verstrickungen und die gegenseitigen Beeinflussungen der Ereignisse noch deutlicher. Das ist handwerklich sehr gut komponiert.
Hier zeigt sich, dass die Cäsar-Romane Posteguillos nicht nur für Geschichtsfans von Interesse sein können, sondern ganz deutlich auch für Leser, die eigentlich nicht unbedingt in der Geschichtsecke der Bücherläden zu finden sind.