erschienen bei Kiepenheuer und Witsch
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Was ist „Space Boy“?
Es ist schon ein sehr eigenes Werk, welches Erfolgsautor Frank Schätzing uns hier gegeben hat. Und ich gebe zu, es macht mir meine Aufgabe hier etwas schwerer, denn, was ist „Space Boy“? Selbst der Verlag hat mir kein Genre auf dem Cover mitgegeben, wie wir es ansonsten kennen. In seiner Beschreibung spricht er von einem „Porträt“ über den großen David Bowie und den uns wohlbekannten Autor Frank Schätzing.
Alles erinnert an eine Doppelbiographie, die aber bei weitem nicht den Weg eines klassischen Sachbuchs einschlagen will, sondern eine literarische Aufarbeitung des eigenen Lebenswegs Schätzings und seiner tief empfundenen Verbindung zu David Bowie darstellt. Bowie ist für ihn ein Seelenverwandter, der ihn prägte, ihn auf seine Art begleitete, faszinierte und ihm – auch, wenn man sich nie kennengelernt hat – das Gefühl von gegenseitigem Verständnis entgegenbrachte. Bowie inspirierte ihn mit seinem eigenwilligen und mutigen Weg, seiner eigenen Kreativität zu folgen. Und so ist auch dieses Buch, das eigenwillig ist, auf das man sich einlassen muss und das, trotz biografischer Inhalte über die beiden, sehr wenig mit einer klassischen Biografie zu tun hat. Eigenwillige Charaktere scheinen sich zu potenzieren.
Auseinandersetzung mit sich
Neben autobiographischen Erlebnissen, die Schätzing mit David Bowie verknüpfen, wirken viele Teile des Buches eher wie Essays, in denen er seine Sicht auf sich und Bowie als Künstler und der empfundenen Verbundenheit Ausdruck verleiht. Schätzing ist hier Geschichtenerzähler, aber agiert nun auch als Musikkritiker, philosophiert über die Popkultur der letzten 60 Jahre und Leben an sich. So zum Beispiel, wenn er über die Dämonen der Künstler spricht: „Kurz, wenn Künstler auf ihre Dämonen treffen, ist das eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit.“ Und dieses Buch ist vor allem eine Auseinandersetzung Frank Schätzings mit sich selbst, seinem Weg und seinen Dämonen. Aufbau und Erzählweise wirken oft wie assoziativ oder fast sogar zufällig.
Schätzing spricht offen und klar über sich, über Erfolg und Misserfolg! Z.B. über sich als Nerdy-Teenager. Sein erstes „Zusammentreffen“ mit David Bowie im Musikunterricht in der Schule hat etwas von einem religiösen Erweckungserlebnis und überhaupt erinnern diese Passagen an „Coming-of-Age“ Geschichten, die ja zurzeit im Trend von autobiographischen Büchern einiger Berühmtheiten liegen.
Die Eigenwilligkeit des Künstlers
Die Musik, die wir hören, ist unser persönlicher Soundtrack zu unserem Leben – sie bestätigt uns oft im Tun und gibt uns das passende Gefühl zu dem, was geschieht. „Space Boy“ zeigt Schätzings Sicht auf sein Leben und sein Gefühl. Es ist ein Buch, das wahrscheinlich vor allem für seine Fans und Anhänger eine Fundgrube sein wird. Es ist auch seine Sicht auf David Bowie, die aber nicht zwingend die Sicht der Allgemeinheit, Bowie Fans und Anhänger auf ihr Idol zeigen will und kann. Schätzing geht es um die Eigenwilligkeit eines Künstlers, denn erst dies macht ihn zum Besonderen. Und somit rückt vor allem seine eigene Eigenwilligkeit ins Zentrum des Buches.