erschienen bei Hoffmann und Campe
(Rezensionsexemplar, also Werbung)
Ein möglicher Prototyp moderner Celebrities?
„Berühmtheit ist nicht einfach ein Sieg, den man erringt, es ist das Ergebnis eines Rachefeldzugs“. Das ist Clèos Mantra – das lebt sie. Und wie sie dann den Weg zum Ruhm, mit Selbstdisziplin, Willensstärke und vor allem Rücksichtslosigkeit geht, ist spannend, aufregend, oft aber auch erschreckend und bringt den Leser immer wieder zum Staunen.
Clèo ist eine Protagonistin, wie wir ihr wohl selten begegnen. Und wie sie selbst über sich erzählt, hat der Ruhm die Bestie in ihr befreit und diese Bestie ist erbarmungslos und kann sehr grausam sein. Clèo ist eine durchtriebene, rücksichtslose Psychopathin und Narzisstin.
In ihrer arroganten, egoistischen Verkommenheit liegt der Reiz, sie bei ihrem Weg zu begleiten. Fast voyeuristisch erleben wir ihren Aufstieg und wie sie zwanghaft immer mehr ihre gefühlte Genialität ausleben muss und bewusst über alle anderen in ihrer Umgebung hinweggeht.
Autorin Maud Ventura gibt uns hier einen möglichen Prototypen moderner Celebrities, bei denen wir hoffen, dass sie hoffentlich nur in unserer Fantasie so existieren und in ihrer Überzogenheit nicht Wirklichkeit sind und werden. Clèo ist ein Monster dessen, aber sie fühlt sich so real an. In ihrer brutalen und berechnenden Klarheit hat sie schon wieder etwas Faszinierendes für uns. Das Böse hat eben seinen Reiz.
Obsession
Clèo lebt das Klischee der einsamen, unverstanden, genialen Songwriterin. Sie ist so genial, dass – nach ihrem Empfinden – niemand sie, ihren Antrieb, ihr Leiden als Künstlerin verstehen kann. All das lebt sie obsessiv und diese Obsession geht nach vorne. Das Leben wird schnell, agil, abwechslungsreich und wir gleiten durch diesen Roman. Das ist Unterhaltung auf bestem Niveau und hat trotz der Oberflächlichkeit, die Clèo lebt, sehr viel Tiefgang, aber vor allem tiefe, tiefe Abgründe. Eigentlich ist Clèo eine zutiefst tragische Person, denn bei allem, was ihr Leben angeblich bereichert – Ruhm, Reichtum, Macht – wissen wir, dass sie verlieren wird. Die Höhe, die Größe, die Bedeutung, etc. kann man nicht lange halten. Clèo kann uns faszinieren, aber oft erschreckt sie uns. Ja, dann ist sie plötzlich (fast) abstoßend.
„Der Glanz der Rache“ hallt nach
Maud Ventura spielt mit den Klischees moderner Popkultur und dass wir eigentlich „Fans“ sehr einsamer, psychisch labiler und getriebener Menschen sind. Natürlich ist vieles überzogen, aber als Leser ertappt man sich bei dem Gedanken: „Wenn nur ein Funke wahr ist, ist das alles krank!“
Ein bemerkenswertes Buch, das absolut lesenswert ist. „Der Glanz der Rache“ hallt nach, selbst wenn das Buch zu Ende ist. Man kann nur schwer einfach zur Tagesordnung weitergehen. Großartig erzählt – die Geschichte fließt. Wir freuen uns über weiter eWerke von Maud Ventura.