Welch ein wunderbares, kleines Buch gegen die führende Stimmung unserer Zeit, gegen den vorherrschenden Zeitgeist, der voller negativer Sichtweisen, Endzeitdystopien oder permanenterer Resignation ist. Da tut Zuversicht sehr gut. Nein, das Werk ist nicht geprägt durch Naivität oder Ignoranz. Zuversicht kann in unserem unperfektem Alltag stattfinden. Denn Zuversicht bedeutet – und das wird während der Lektüre des Buches deutlich – die Fähigkeit, die vielen kleinen Teile zu erkennen, die uns positiven Antrieb geben können und diese positiven Perspektiven in unserem Kopf zuzulassen. Und dazu hilft es Louise Browns Zeilen einmal auf sich wirken zu lassen. Sehr beeindruckend.
Autor: Textopfer
Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste | Kelly Mullen
Welch ein Lichtblick zwischen den zeitweise vielleicht etwas zu vielen neuen britischen Krimis auf dem deutschen Buchmarkt oder vielmehr den Krimis, die vor allem im englischen Cosy-Crime Stil versuchen daherzukommen. Ich liebe die Kultur Großbritanniens, die Literatur, den ironisch-sarkastischen Sprachwitz. Aber nein, ich bin bei weitem nicht der Cosy-Crime-Fan und es bedarf schon weitaus mehr als eine „tüdelige“ Hauptperson und überzogene Klischeecharaktere, um mich von einem „Krimi“ mit englischem Witz, Charme und Leichtigkeit zu überzeugen. „Die Einladung“ kann man als leicht Cosy angehaucht sehen, sie ist aber glücklicherweise viel mehr im Stil der Altmeisterinnen wie Agatha Christie oder Ruth Rendell. Und das ist wunderbar guttuend, unterhaltsam und spannend.
Kelly Mullens Ermittlerduo, Großmutter Mimi und Enkelin Addie sind bei allem, was vielleicht klischeeartig wirkt, sehr realitätsnah, mehrschichtig und sympathisch. Daher fiebern wir mit ihnen. Das ist mehr als das überstrapazierte, trendige und überproduzierte Cosy-Crime-Gewäsch, das uns vor allem rund um Urlaubsorte mit unübersehbarer Präsens überfällt. Es gibt also eine kreative, intelligente Zukunft für den klassischen englischen Krimi, ohne ins übertriebene Cosy-Klischee zu verfallen. Danke, Kelly Mullen!
Thomas Mann – ein Leben | Tilmann Lahme
In diesem besonderen Jahr hat uns wohl kein Autor mehr begleitet als der große Thomas Mann. Sei es durch sein umfangreiches, beeindruckendes Werk, das vielfach neu verlegt wurde oder sei es in den vielen Kontroversen, Vorträgen und Diskussionen, die von selbsternannten bis anerkannten Literaturexperten über ihn geführt wurden. Mich hat vor allem intensiv sein Werk begleitet. Einiges kannte ich, einiges war voller neuer Erfahrungen und natürlich stellte sich immer die Frage nach der Person dahinter. Wer war der Mensch Thomas Mann?
So war die Lektüre der Biografie „Thomas Mann – Ein Leben“ von Tilmann Lahme in den letzten Wochen für mich ein großes Finale des Jahres 2025 – des 150. Geburtsjahrs. Und es war gut, sich dieses wohldurchdachte und mit Feingefühl verfasste Werk als Finale aufzubewahren. Keine, der vielen kleinen und großen Biografien, die ich – begleitend zu den Werken Thomas Manns – in diesem Jahr gelesen habe, hat es geschafft, den manchmal unpersönlich und distanziert wirkenden Menschen, so viel näher zu bringen als diese Biografie, so dass ich heute, allen Literaturinteressierten, dieses Buch deutlich empfehlen kann. Unterhaltsam und informativ präsentiert Lahme hier eine Lebensgeschichte, garniert mit Quellen, Bildern und Geschichten von Freundschaften und Familie – eine Geschichte von Geheimhaltungen, von einer öffentlichen Person, eines Familienvaters, eines Menschen, der litt und vor allem die Geschichte eines Künstlers. All dies gibt uns Zugang zum Menschen Thomas Mann – hilft ihn besser zu verstehen, noch mehr zu schätzen, um ihm weiter zu folgen.
Stürzende Imperien – Rom, Amerika und die Zukunft des Westens | Peter Heather und John Rapley
Historiker sind immer sehr vorsichtig dabei, Analogien zwischen Epochen und historischen Vorgängen zu ziehen. Ja, vielfach wird dies abgelehnt, denn zu verschieden sind konkrete Situationen, die handelnden Personen und plötzliche unberechenbaren Änderungen von Umständen. Aber all dies soll nicht bedeuten, dass wir nicht aus Geschichte lernen können und sollten. Strukturen sind oft schon vergleichbar und der Mensch als Faktor – als Entscheider – ist doch oft aufgrund seiner Bedürfnisse und Begierden im Handeln über die Zeiten hinweg sehr ähnlich.
Der fabelhafte Historiker Peter Heather, Fachmann für die römische und nachrömische Geschichte und Volkswirtschaftler (mit dem Schwerpunkt Globalisierung) John Rapley gehen in ihrem gemeinsamen Werk „Stürzende Imperien“ sehr behutsam und umsichtig vor. Sie sezieren förmlich den Untergang Roms, erarbeiten die entscheidenden Faktoren des schleichenden Zerfallsprozesses der antiken Weltmacht heraus und schauen sich diese Faktoren in unserer Zeit an.
Das kleine (ca. 250 Seiten starke) Buch ist allein schon in seinem handwerklichen Vorgehen faszinierend, denn Heather und Rapley haben eine überzeugende Struktur als Grundlage gelegt, so dass ihr Anliegen und ihre Argumentationen sehr gut nachvollziehbar sind.
Spannend für politisch-soziologisch und historisch interessierte Leser. Ein kleiner Schatz am Sachbuchhimmel.
Der Rache Glanz | Maud Ventura
erschienen bei Hoffmann und Campe (Rezensionsexemplar, also Werbung) Ein möglicher Prototyp moderner Celebrities? „Berühmtheit ist…
Skandal in Königsberg | Christopher Clark
Ein Skandal im 19. Jahrhundert und einer der wohl renommiertesten, populärwissenschaftlichen Historiker in Deutschland, (ein Australier!) berichtet uns davon: Der fabelhafte Christopher Clark! Viele beeindruckende Geschichtsbücher (wie „Die Schlafwandler“ oder „Frühling der Revolution“) hat er uns in den letzten Jahren geschenkt und in seinen verschiedensten Fernsehproduktionen hat er uns gezeigt, dass Geschichte spannend, alltagsnah und faszinierend sein kann. Clark tut der deutschen Geschichtsszene gut, denn er ist (ähnlich wie Dan Jones) einer der populären, anglo-amerikanischen Geschichtsschreiber, die mit ihrer mitnehmenden Art des Schreibens, viele Leser für Geschichte interessieren können, die im Allgemeinen mit dieser Art des Sachbuchs nichts anfangen können. Das macht Spaß und Lust auf Geschichte.
Auch in diesem – für seine Verhältnisse – kurzem Buch (nur ca. 200 Seiten), schafft er es wieder, uns eine Geschichte aus der Geschichte umfassend darzustellen und uns dabei doch auch etwas „auf die Folter zu spannen“ welcher Skandal denn nun in Königsberg geschehen ist.
Before I met Supergirl | Rea Garvey
Erschienen bei Allegria/Ullstein Buchverlage (Rezensionsexemplar, also Werbung) …bevor er Supergirl traf Obwohl ich selbst seit…
Das Flüstern der Marsch | Katja Keweritsch
„Das Flüstern der Marsch“ ist – sehr, sehr passend zum Titel – ein sanftes Buch, ein leises Buch. Es präsentiert sich unaufdringlich. Ja, an vielen Stellen wirkt es fast zögerlich. Wir möchten mehr erfahren über Hintergründe, möchten mehr verstehen. Doch es erscheint, dass die Protagonisten nicht primär an der Lösung interessiert sind. Sie sind zu sehr verstrickt in ihren persönlichen Leiden, Wegen und Problemen. All diese Personen wirken sehr real. Sehr normale Menschen, ja vor allem Frauen. Sie und ihre Lebensentscheidungen, die Entscheidungen über sich und ihre – gewollten und ungewollten – Kinder, stehen im Mittelpunkt des Werkes. Autorin Katja Keweritsch schaffte eine ruhige, oft fast entspannte Atmosphäre und erzählt doch gleichzeitig eine Geschichte mit vielen Geschichten voller Leid und Dramatik.
Christentum | Peter Heather
n all seinen Ausmaßen hat Autor Peter Heather mit seinem Werk „Christentum“ ein wirklich beeindruckendes Buch über den Aufstieg des Christentums zur Weltreligion geschrieben. Mit 800 Seiten und einem Gewicht von ca. 1,3 kg kommt hier (allein schon quantitativ) ein echtes Schwergewicht des Wissens und der Bildung auf uns zu. Allein dieser Umfang dieser enormen wissenschaftlichen Arbeit begeistert. Für alle Leser mit einer Leidenschaft zur Geschichte ist Heathers Werk eine wahre, gut organisierte, detailreiche und erlebnisreiche Fundgrube. Heather selbst erklärt und vergleicht das große Ausmaß seines Werkes mit einem Mosaik, dessen einzelnen Steine man sich natürlich mit einem Vergrößerungsglas anschauen kann. Sein Werk jedoch versucht das Gesamtbild des Mosaiks darzustellen.
Wie wurden die Begriffe Europa und Christentum deckungsgleich? Heather starten mit Kaiser Konstantin (um 300), hinterfragt seine Motive, das Christentum zur Staatsreligion zu erheben und deckt „Step by Step“ das geschickte Vorgehen des Herrschers auf. Sein Buch erstreckt sich über einen Zeitraum von fast 1500 Jahren – von der Sekte bis zum größten Machtfaktor Europas.
Kampf gegen die Alb | Claire Edwards
Erschienen im Gmeiner-Verlag (Rezensionsexemplar, also Werbung) Menschen aus dem Alltag Eine wilde, bunte Mischung von…