Es gibt etwas, was uns auf schreckliche Art an den Cäsaren Roms fasziniert: Es geht um Macht, es geht um Verbrechen, um Sex und Intrigen. Das hat eine deutliche Strahlkraft auf uns über die Jahrhunderte hinweg. Man ist wie schockiert und muss doch hinschauen. Man ist vielleicht angewidert und verurteilt all dies, aber es hat auch diesen Moment der Bewunderung, der Grenzüberschreitungen. All dies hat wohl – wie zugespitzt – die eigentlich kurze Geschichte des berühmt, berüchtigten und bizarren Kaisers Elagabal. Er ist wohl der römische Kaiser, der aller Wahrscheinlichkeit mit einer extrem brutalen Perversität ausgestattet war und der somit als Prototyp für den sogenannten Cäsarenwahn in die Geschichte einging. Verwunderlich ist es da, dass seine eigentliche Geschichte, der Aufstieg und große Fall, so selten aufgearbeitet wurde. Vielleicht hat das Klischee über Elagabal viele Autoren davor abgeschreckt und abgehalten. Harry Sidebottom geht ihn offensiv und umfassend an. Dabei erfahren wir durch diesen kurzen Ausschnitt der römischen Herrschaftsgeschichte sehr viel über die Feinheiten der römischen Gesellschaft. Sidebottom präsentiert nicht nur eine Biografie, sondern eine gesellschaftliche Analyse, in der wir erlernen zu verstehen, wie es sein konnte, dass ein 14-jähriger, dessen angebliche kaiserliche Herkunft noch nicht einmal gesichert war, urplötzlich durch die Unterstützung einer ganzen Legion zur Macht kommen konnte. Spannend ist unter anderem dabei auch, dass ein solches Spiel des Ergatterns der Macht, vor allem durch die Intrigen der Frauen der Familie möglich war. All dies zeigt, dass in der römischen Gesellschaft Frauen bei weitem nicht nur machtlose Spielsteine auf dem politischen Spielbrett waren.
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Rom bin ich – Cäsar. Der Aufstieg | Santiago Posteguillo
Es ist eine große Aufgabe, wenn ein Autor sich vornimmt, einen historischen Roman über einen der ganz, ganz Großen in der Geschichte zu schreiben. Schreibt man dann noch über einen ganz, ganz Großen der römischen Geschichte, kommen belesene Menschen natürlich direkt mit dem Vergleich zur fast genialen Robert Harris Cicero-Trilogie um die Ecke! Welch eine Ausgangsposition hat ein Autor dann für ein umfassendes, mehrbändiges Werk über den großen Gaius Julius Cäsar? Ehrlich? Wenn man es löst wie der spanische Literaturwissenschaftler Santiago Posteguillo, eine sehr gute! Posteguillo geht seinen sehr eigenen Weg! Er will kein Robert Harris sein! Und das ist gut so! Er präsentiert seinen sehr eigenen Stil, um uns die Person Cäsars, sein Handeln und seine Beweggründe nahezubringen. Die Beschreibungen sind oft privat bis intim. Politik und Macht sind natürlich zentrale Themen, aber er stellt uns klar einen Cäsar vor, der – zumindest in seinen jungen Jahren – in seinem Handeln mehr aus privaten, familiären Gründen heraus seine Motivation zieht. Macht ist hier noch weniger der Beweggrund. Hier wird deutlich, dass Posteguillo Literatur, die Darstellung und Wirkung des Handelns durch eine gekonnte Sprache zum Verständnis der historischen Person und die Freiräume des lyrischen Erzählens, wunderbar nutzt. Hier schreibt nicht ein Autor wie ein politischer Reporter, sondern ein Literat, der uns einen Charakter, einen Menschen näherbringen möchte. Dies ist bei einer einst realen, historischen Person immer schwer und die Auslegung und Darstellung wird bei Historikern umstritten sein. Aber es hilft sich dieser Zeit, dieser Person zu nähern. Und: Es macht einfach Spaß zu lesen und sich in dieses Szenario der großen Namen hineinzudenken!