Megele – Biographie eines Massenmörders | David G. Marwell

erschienen beim wbgTheiss Verlag

Die Biographie eines Massenmörders lesen?

Warum sollte man die Biographie über einen bestialischen Massenmörder, der in der Tarnung medizinischer Forschung größte Schrecklichkeiten getan hat, lesen? Warum? Sprechen nicht schon seine Taten alles aus?
Hannah Arendt hat den Begriff der “Banalität des Bösen” geprägt, die auch hier offensichtlich wird. 

Wie wird ein Arzt zum Massenmörder? 

Diese – im letzten Jahr erschienene – Biographie zeigt uns ein großes Spektrum der genannten Banalität – sie zeigt sich in Karriere und Rassenwahn, in Macht und Amtsmissbrauch, in den Zügen eines Psychopathen und Narzissen. Und all diese Aspekte scheinen sich auf dem Weg nach oben auf der Karriereleiter, auf dem Weg weiter der Macht über Leben und Tod, zu potenzieren. Und da achtet jemand dann sehr genau darauf, dass diese Karriere nicht plötzlich knicken könnte. Z.B., wen man dann heiratet („Neben ihren körperlichen Eigenschaften, der offensichtlichen „rassischen Qualität“ und erwartbaren Vermehrungsfähigkeit, musste Irene auch nachweisen, dass ihre Herkunft fleckenlos war“). Gerade wenn im Werk die Privatperson Mengeles gezeigt, wundern wir uns doch, wie sehr er auch hier der Ideologie hinterherläuft, um sich als „linientreu“ zu beweisen. Ein Opportunist, der alles zugelassen hat und mehr hätte, für den persönlichen Erfolg!


Ein starkes Buch

Ich habe sehr viel über die NS-Diktatur und den Holocaust gelesen. Dieses Buch, über einen der schlimmsten Täter, hat noch einmal vollkommen andere Seiten beleuchtet – Einsichten gebracht.
Dieses Buch ist aber mehr als “nur” eine pure Biographie. David G.Marwell arbeitete in den 80er Jahren für das US-Justizministerium, dass zeitweise gemeinsam mit Deutschen und Israelis der Spur des untergetauchten Mengele folgte. Intensiv beleuchtet ein sehr großer Teil die vielen Anstrengungen der Opfer, des Mossads, deutscher und amerikanischen Behörden, den Mörder nach der Zeit des Nationalsozialismus aufzuspüren, ihn für seine Gräueltaten zu belangen. Dies umfasst fast die Hälfte des Buches. Es komplettiert so aber das Leben Mengeles. Sein Tun hat Konsequenzen, auch wenn er sich der letzten Konsequenz scheinbar entziehen konnte.
Das Streben all dieser Personenkreise war ein Versuch eine Form von Gerechtigkeit zu erlangen.
Somit ist nicht Mengele allein das Zentrum des Buches.
Ein starkes Buch liegt vor uns – eine eindrucksvolle Geschichte aus der Geschichte – alles gut recherchiert, mit Spannung und mit sehr viel Tiefgang! Ein Buch für die, die glauben, schon alles irgendwie über die NS-Zeit gelesen und vor allem verstanden zu haben. Wir lernen noch dazu!

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